München – Die Enttäuschung war Hansi Flick ins Gesicht geschrieben. Im schwarzen Kapuzenpullover und mit ernster Miene saß der Bayern-Trainer im Presseraum an der Säbener Straße und wähnte sich in einem schlechten Film: „Natürlich würde ich mich in meiner ersten Saison gerne mit etwas anderem beschäftigen. Die Mannschaft hat bis jetzt eine sensationelle Rückrunde gespielt, das Triple scheint im machbaren Bereich“, sagte Flick am Freitag. Zu diesem Zeitpunkt ging der Bayern-Trainer noch davon aus, an diesem Samstag vor leeren Rängen gegen Union Berlin anzutreten. Das erledigte sich wenig später. Wieder einmal ist der Trainer als Krisenmanager gefragt. Vor wenigen Wochen musste er als Fan-Flüsterer wegen der Vorfälle beim Spiel auf Schalke einspringen. Nun muss er seine Mannschaft geschickt durch die Zwangspause führen und auf die sportlichen Ziele danach einschwören. Unter den Spielern konnte er bisher keine negative Grundstimmung ausmachen – außer bei Thiago (siehe oben). Persönlich sei er kein ängstlicher Mensch und versuche, dem Coronavirus rational gegenüberzutreten. Dennoch appellierte er an die soziale Verantwortung jedes Einzelnen. „Ich habe speziell für meine Frau und mich keine Bedenken. Aber jeder hat in der Familie einige, die einem am Herzen liegen, die auch zur Risikogruppe gehören“, warnte der Fußballlehrer.
Flick wollte sich der sportlichen Aufgabe bei Union Berlin professionell stellen, machte zwischen den Zeilen allerdings deutlich, dass er am Sinn der sportlichen Auseinandersetzung in der „Alten Försterei“ Zweifel hat. Auf die Nachfrage zum möglichen Bayern-Triple antwortete der Fußballlehrer: „Darauf kommt es nicht an, sondern darauf, uns der sozialen Verantwortung zu stellen in dieser – wie die Bundeskanzlerin gesagt hat – außergewöhnlichen Situation.“ Und Berufsoptimist Flick kann selbst der aktuellen Ausnahmesituation noch etwas Positives abgewinnen: In Situationen wie der aktuellen wachse man als Gesellschaft auch enger zusammen. So wie vielleicht auch seine Mannschaft.
Einem Thema muss sich Flick nun früher als gewollt stellen: die Wettkampfhärte seiner Spieler über die Zwangspause der Ligen zu retten. Eigentlich wollte er sich damit erst nach dem Auswärtsspiel bei Union Berlin beschäftigen. Da hatte der Bayern-Coach die Rechnung aber ohne die wankelmütige DFL gemacht. mük