Nyon – Auch Joachim Löw blickt nach Nyon. Heute entscheidet die UEFA über die Verlegung der Fußball-EM 2020. Die Ausrichtung in zwölf Ländern im Juni/Juli erscheint aufgrund der Corona-Pandemie illusorisch. „Ich rechne fest mit einer Verlegung des Turniers“, sagte DFB-Generalsekretär Friedrich Curtius in der ARD. Offen ist, in welchen Zeitraum. In den Winter 2020? Oder den Sommer 2021?
Eine Komplett-Absage kann sich die UEFA kaum leisten. Auf den Bundestrainer kommt in jedem Fall eine lange Pause zu – die DFB-Elf wäre erst wieder am 3. September zum Start der neuen Nations League gegen Spanien im Einsatz.
Der Ablauf
Geplant sind mehrere Telefonkonferenzen. An der Elefantenrunde am Vormittag sollen Vertreter der 55 UEFA-Mitgliedsverbände sowie die Führungsriegen der Club-Vereinigung ECA, des Ligen-Interessenverbundes European Leagues und der Spielergewerkschaft FIFPro teilnehmen. „Die Diskussionen umfassen alle nationalen und europäischen Wettbewerbe, einschließlich der EM 2020“, teilte die UEFA mit.
Die Hintergründe
Ein EM-Eröffnungsspiel in Rom in weniger als drei Monaten ist nicht vorstellbar. Italien ist abgeriegelt, an Fußball derzeit in kaum einem europäischen Land zu denken. Auch nicht in München – die bayerische Landeshauptstadt war als Ausrichter von drei Gruppenspielen und einem Viertelfinale ausgewählt worden. Außerdem wurden Amsterdam, Kopenhagen, Bilbao, St. Petersburg, Bukarest, Budapest, Baku, Glasgow, Dublin und London als Gastgeber bestimmt.
Szenario Winter-EM
Das Championat würde in diesem Fall ziemlich genau zwei Jahre vor der WM 2022 in Katar ausgetragen werden. Dafür müssten aber fast alle Ligen ihren festgezurrten Zeitplan für die Saison 2020/2021 ändern und die Spielzeit für die EM unterbrechen. Was die Sache zusätzlich verkompliziert: Niemand kann derzeit mit Sicherheit sagen, ab wann und wie wieder regulär gespielt werden kann.
Szenario Sommer-EM
Logisch erscheint eine Verlegung auf Sommer 2021. Das Problem: Die EM würde dann mit der neuen Club-WM kollidieren, die im Sommer 2021 in China ihre Premiere feiern soll. FIFA-Boss Gianni Infantino lockt die Topvereine mit gigantischen Preisgeldern. Lenkt er ein und verschiebt sein eigenes Turiner, könnte die UEFA der FIFA mit der Abstellung mehrerer Top-Clubs entgegenkommen. dpa