Madrid – Bevor Jose Gonzalez in den Flieger zurück nach China stieg, hatte er noch eine Botschaft an seine spanischen Landsleute. „Das Problem ist jetzt hier“, sagte der Trainer des chinesischen Fußball-Erstligisten FC Wuhan Zall über das Coronavirus. Hier, in Spanien, in Europa – nicht mehr (nur) in China. Dort, betonte Gonzalez, „werden wir uns sicherer fühlen“.
Ende Januar begannen die Kicker aus Wuhan ihr Trainingslager im andalusischen Luxusresort Sotogrande – wegen der Pandemie blieben sie länger und länger. Anfangs, berichtete Gonzalez, 53, wurden sie in Südspanien angeschaut, „als wären wir Viren auf zwei Beinen“. Einen positiven Fall hat es in seinem Team nie gegeben, doch als sich das Virus zu Hause plötzlich immer schneller verbreitete, konnten sie nicht mehr zurück. Bis jetzt.
Weil der Höhepunkt der Coronakrise in China als überwunden gilt, hat die Chinese Super League beschlossen, Anfang Mai mit rund zehnwöchiger Verspätung in die Saison zu starten. Die Teams reisen deshalb zurück. Der FC Wuhan flog über Frankfurt Richtung Heimat. Mit Atemschutzmasken.
„Nach der Ankunft geht es für uns erst einmal in Quarantäne. Wie für jeden, der in Peking ankommt“, sagte Coach Gonzalez in der „SZ“. China will verhindern, dass die Pandemie aus Europa zurück ins Riesenreich schwappt. Für den früheren Spanien-Profi ist die Quarantäne deshalb „eine völlig richtige Maßnahme“, die einer Logik folgt, die er bei den Europäern bisweilen vermisst.
Die Debatte, ob womöglich zeitnah weitergespielt werden könne, hält Gonzalez für „komplett absurd. Wir reden hier über Gesundheit, Viren. Über Fragen von Leben und Tod“. Zwei Spieltage Pause würden nicht reichen: „Man wird auch hier vier, sechs, acht Wochen brauchen. Das Schlimmste kommt noch.“
Er und seine Mannschaft, glaubt Gonzalez, haben das Schlimmste überwunden: die skeptischen Blicke der Andalusier, die Ungewissheit, die Einsamkeit.. Bei Telefonaten mit den Familien in China hätten sich „herzzerreißende Momente“ abgespielt. Fußball, das Training, der Besuch beim Clasico am 1. März – das sei „die beste Therapie“ gewesen: „Es war wirklich so, dass sie auf dem Platz gelächelt haben, wenn der Ball rollte.“
Von einer Flucht aus Spanien, wie berichtet wurde, will er nicht sprechen – obwohl Stürmer Leo Baptistao sagte: „Hier sind wir in größerer Gefahr, es ist klüger, zu gehen.“ Den Leuten in Spanien, in Europa gibt Gonzalez den Rat, „zu Hause zu bleiben. Je eher, desto besser“. sid