Bis 15. Juni wird es keine Sport-Veranstaltungen in Baden-Württemberg geben – und damit auch keine Fußballspiele. Pascal Murmann, Sprecher des Sozial- und Gesundheitsministeriums, erklärte gestern gegenüber der „Bild“-Zeitung: „Die Verordnung bezieht sich auf alle Veranstaltungen, alle Clubs, also auch den VfB Stuttgart, den 1. FC Heidenheim und den Karlsruher SC.“ Murmann im Klartext: „Diese Verordnung bezieht sich auch auf Geisterspiele. Auch Spiele unter Ausschluss der Öffentlichkeit sind bis zum 15. Juni 2020 untersagt.“
Die von der Corona-Pandemie erzwungene Spielpause trifft die Fußballfans hart. „Das sind ganz schlimme Maßnahmen, natürlich leiden wir“, sagte Sprecher Sig Zelt vom Bündnis ProFans. Die Anhänger würden nicht nur die Spiele und Spannung vermissen, sondern auch das „Gemeinschaftserlebnis“ und „die sozialen Kontakte, die der Fußball so wunderbar knüpfen kann und die jetzt nicht so ausgelebt werden können, wie wir uns das alle wünschen.“ In der Zwangspause steige auch bei kritischen Fans das Verständnis für künftige Geisterspiele. „Das Fernsehen macht einen Großteil der Einnahmen aus, was wir nicht unbedingt gutheißen, aber vielleicht sichert es den Vereinen in dieser Situation das Leben“, sagte Zelt. Der Konflikt zwischen den organisierten Fans und dem DFB sowie den Clubbossen ist für Zelt nur vorübergehend gestoppt. „Die alten Probleme werden natürlich wieder auftauchen.“
Chinas Profifußball hat den ersten nachgewiesenen Corona-Fall eines Spielers zu beklagen. Wie die Gesundheitsbehörden gestern mitteilten, hat sich ein 30 Jahre alter brasilianischer Profi mit dem Virus infiziert. Medienberichten zufolge handelt es sich um Dorielton, einem Angreifer des Zweitligisten Meizhou Hakka. Über den Gesundheitszustand des Stürmers ist nichts bekannt. Zuletzt war spekuliert worden, dass die Super League, die höchste chinesische Spielklasse, im April ihren Betrieb aufnehmen könnte. Was der Fall Dorielton für die Planungen bedeutet, war zunächst unklar.
Der Arbeitsrechtler Johan-Michel Menke hält im Zuge der Coronakrise Gehaltskürzungen bei den Spielern in der Fußball-Bundesliga für möglich. „Grundsätzlich sind die Clubs auch in Krisen dazu verpflichtet, die Gehälter weiter zu zahlen. Aber wenn eine Krise zur Existenzgefährdung eines Clubs führt, wird möglicherweise hiervon auch eine Ausnahme zuzulassen sein“, so Menke: „Arbeitsrechtlich ist es durchaus denkbar, dass die Clubs wegen des Wegfalls der Geschäftsgrundlage möglicherweise auch Gehälter einseitig kürzen können.“ Für Menke wäre ein teilweiser Gehaltsverzicht von Spielern eine Möglichkeit, um drohenden finanziellen Schaden für Clubs zu begrenzen.