Schadensbegrenzung dahoam

von Redaktion

Fitness-Experte Schmidtlein zum Ersatztraining der Bayern-Stars: „Das bringt sie nicht weiter“

VON MANUEL BONKE

München – Den Bayern-Spielern wurden am Dienstag Fahrrad-Ergometer und weitere Gerätschaften nach Hause geliefert, Jerome Boateng gab über die sozialen Medien bereits einen Einblick in sein Fitnesstraining in den eigenen vier Wänden – und Thiago trainierte unter Anweisung eines Personaltrainers per Video-Chat. Homeoffice ist aktuell also auch bei den Stars des FC Bayern ein geflügeltes Wort.

Die Spieler werden in den nächsten Tagen, Wochen oder Monaten – so genau weiß das aktuell niemand – per App unter Anleitung von Fitness-Chef Holger Broich weiter in ihrem Zuhause trainieren. „Etwas zu tun, ist immer besser als nichts zu tun. Aber es ist auch klar, dass das aktuelle Training natürlich kein adäquater Ersatz ist. Es geht hier aber um Schadensbegrenzung und nicht darum, das Maximalziel zu erreichen“, sagt Fitness-Experte Oliver Schmidtlein.

Was der Physiotherapeut und Betreiber von „OSPHYSIO training & therapie“ in München meint: Die Spieler müssen versuchen zu erreichen, dass der Trainingsrückstand ohne vollumfänglichen Einheiten an der Säbener Straße nicht zu gravierend wird. Das hat laut Schmidtlein mit dem Prinzip der Belastung und Belastbarkeit zu tun: „Die Belastung schiebt die Belastbarkeit ein bisschen vor sich her. Idealerweise ist die Belastbarkeit knapp über der Belastung. Das ist das Geheimnis des Trainingserfolgs, die richtige Periodisierung und Dosierung. Heißt: Wie intensiv, wie lange und wie oft trainiere ich? Daraus ergibt sich die Belastbarkeit.“

Problem: Durch die aktuelle Situation ist ein Trainingseffekt, also die Anpassung des Körpers an den Reiz, nur schwer zu erzielen. Trainingsdosierung bedeutet laut Schmidtlein immer kontrolliertes Überlasten. Das sei nun aber nicht mehr möglich. „Der Trainingszustand der Spieler ist zum jetzigen Saisonzeitpunkt relativ hoch. Ein normales Training ist nicht mehr möglich, auch wenn die Spieler Joggen gehen oder am Ergometer trainieren. Plötzlich gibt es also eine relative Inaktivität. Und das ist jetzt kein adäquater Reiz mehr, sondern ein Reiz, der sich sicherlich unter dem befindet, den sie bisher hatten. Sie werden jetzt also nicht an Fitness zulegen können“, erklärt der Fitness-Experte.

Schmidtlein begrüßt es, dass der Rekordmeister und viele andere Vereine nun virtuelle Trainingseinheiten ansetzen: „Da geht es dann eben um die Eigenschaften Beweglichkeit, Stabilität und die Basiskraft. Aber noch mal: Für so hoch trainierte Athleten wie Fußballprofis ist das kein Reiz, der sie jetzt weiterbringt. Es ist mehr ein Formerhaltungstraining.“ In den Augen des Fitness-Experten geht es jetzt darum, den Schaden zu begrenzen, die Belastbarkeit weitestgehend zu erhalten: „Man geht davon aus, dass man in Sachen Muskulatur neun Tage ohne Training sein kann und erst dann die Muskulatur signifikant abbaut. Wenn die Reize jetzt geschickt gesetzt werden und die Spieler in den ersten Tagen aktiv bleiben, lässt sich diese Kurve, die leicht nach unten zeigt, so flach wie möglich halten.“

Glück im Unglück hat in dieser schwierigen Phase Niklas Süle (24), der nach seinem Kreuzbandriss weiterhin in der Reha an seinem Comeback arbeitet. Schmidtlein: „Er läuft ja schon, da kann er im konditionellen Bereich noch drei, vier Wochen zulegen. Sein Vorteil ist ja jetzt, dass sich alles verzögert. Der Trainingszustand, in dem er seine Kollegen wieder antrifft, ist möglicherweise näher an seinem eigenen Fitnesszustand, als es dem einen oder anderen Spieler lieb ist.“

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