Meldungen aus dem Bereich Sport laufen dieser Tage unter der Schlagzeile „Auch XXX abgesagt/ausgesetzt/verschoben“. Bis auf Fußball-Ligen in Teilen Südamerikas findet nichts so statt, wie es im Jahreskalender, den wir gerade ein paarmal umgeblättert haben, steht. Manchmal ist man überrascht, dass etwas gerade erst gecancelt wurde (zum Beispiel deutsches Fußball-Länderspiel in Spanien) oder noch nicht (Eishockey-WM im Mai). Und Empörung trifft das Internationale Olympische Komitee, weil es immer noch so tut, als sei das Ereignis Olympische Sommerspiele 2020 in Tokio unverrückbar.
Thomas Bach, der oberste Olympier, ist kein besonders geschickter Moderator dieses Themas, allerdings steckt hinter seinem Agieren nicht nur Betonköpfigkeit. Man sollte schon auch sehen: Olympia ist der Sonderfall unter den Sportveranstaltungen, der weltweit größte Gemischtwarenladen. Ein Verband, der nur eine Sportart repräsentiert und eine Weltmeisterschaft jährlich veranstaltet, wird sich leichter tun, seinen Saisonhöhepunkt einfach zu stornieren. Das trifft bei den ohnehin stark strapazierten Sportlern durchaus auf Verständnis.
Bei Olympischen Spielen sehen viele Kritiker den Gigantismus, die Vermarktung, die Geldströme – vollkommen richtig. Doch trotz allem hat Olympia schon noch die Sportler im Blick, die „Jugend der Welt“. Für die meisten olympischen Disziplinen sind die Spiele die Existenzgrundlage. Klar, nicht für den Tennisspieler, der es ganz nett findet, wenn er einmal alle vier Jahre eine Woche in der Mensa des Athletendorfs angehimmelt wird – aber für den Bahnradfahrer, die Bogenschützin, die Modernen Fünfkämpfer. Auch für Leichtathleten, die ihr Studium aussetzen oder in die USA verlegen und somit viel investieren, um sich – was schwer genug ist – den sportlichen Lebenstraum zu erfüllen. Wenn man diese Interessen im Blick hat, sollte das IOC ein bisschen noch auf Zeit spielen dürfen.
An einen alternativen Termin wird es dennoch denken. 2021, 2022? Ein gerades Jahr würde besser passen, Tokio 22 könnte sich einfügen ins Sportjahr mit Winterspielen in Peking und der Fußball-WM in Katar. Dass mancher 2020er-Sportlertraum dann 2022 nicht mehr trägt – das wäre aber leider nicht zu verhindern.
Guenter.Klein@ovb.net