München – Die EM 2020 im Sommer ist verlegt, die Freiräume auch für die Fußball-Bundesliga sind geschaffen. Doch reicht das, um die Saison 2019/20 trotz der Coronavirus-Pandemie zu einem regulären Ende zu bringen? Der europäische Fußball steht vor einem komplizierten Terminpuzzle.
Die Ausgangslage: Sämtliche Pläne stehen und fallen mit dem weiteren Verlauf der Ausbreitung von Covid-19. UEFA-Präsident Aleksander Ceferin spricht von der „größten Krise in der Geschichte des Fußballs“. Noch ist nicht abzusehen, wann das Virus soweit unter Kontrolle gebracht werden kann, dass ein geregelter Spielbetrieb wieder möglich ist. „Alles, was wir hier und heute beschließen“, sagte DFB-Präsident Fritz Keller, könne „morgen oder übermorgen“ wieder überholt sein. „Wir müssen nun lernen, in Szenarien zu denken.“ Durch die Verschiebung der EM in den Sommer 2021 haben der DFB und die DFL aber immerhin mehr Optionen.
Die Bundesliga: DFL-Geschäftsführer Christian Seifert mahnte: „Wir sind noch ganz weit davon entfernt, über eine Fortführung der Bundesliga nachdenken zu können.“ Der Spielbetrieb ist bis zum 2. April ausgesetzt. Den meisten Clubs fehlen (wie allen Zweitligisten) noch neun Spieltage, Frankfurt und Bremen zehn.
Der reguläre Abschluss der Saison ist für viele Vereine überlebenswichtig – nur dann werden alle Gelder ausgeschüttet. Es geht um mehrere Hundert Millionen Euro. Die Termin-Rechnung ist grundsätzlich einfach: Wird Ende April, Anfang Mai wieder gespielt, sollte die Spielzeit bis zum Saisonende am 30. Juni geschafft werden können. Auch wenn sich die Fans auf Geisterspiele und englische Wochen einstellen müssen. Je weiter der Neustart in den Sommer rückt, desto schwieriger wird es. Zumindest was das Saisonende angeht. Die neue Bundesliga-Saison 2020/21 soll eigentlich an 21. August beginnen, die 2. Liga schon am 31. Juli.
Der 30. Juni: Der Tag im Hochsommer gilt seit Jahrzehnten als Schlusspunkt der Saison. Die Verträge der Spieler werden fast alle bis zum 30. Juni ausgehandelt, gleiches gilt für etliche Sponsoren- und TV-Verträge. Deshalb scheint der Termin in Stein gemeißelt. Aber dann kam das Coronavirus. Wenn nötig, werden sich Ligen und Clubs Lösungen einfallen lassen, auch noch den Juli nutzen zu können, der ansonsten (ohne WM oder EM) als Pause dient. „Wir wissen, dass wir den Juni und theoretisch sogar bis in den Juli hinein planen können“, sagte Seifert. Auch die UEFA kündigte bereits Pläne für den „späteren Abschluss der Saison 2019/20“ an.
Der Europapokal: Wie mit der Champions League und Europa League weiter verfahren wird, ist so kompliziert, dass die UEFA den Fall an eine Arbeitsgruppe gegeben hat. Beide Wettbewerbe stecken im Achtelfinale fest. In der Königsklasse fehlen vier Rückspiele (darunter das des FC Bayern), in der Europa League alle Zweitduelle. Die Endspieltermine am 30. Mai in Istanbul (Champions League) und drei Tage zuvor in Danzig (Europa League) sind illusorisch. Denkbar sind mehrere Szenarien, etwa auf ein Spiel verkürzte Viertelfinals und Final-Four-Turniere in den Finalstädten. Zudem könnten die Wettbewerbe den Platz tauschen: Europapokal am Wochenende, die Bundesliga von Dienstag bis Donnerstag.
UEFA-Präsident Ceferin hat allerdings seine Zweifel, ob die Saison 2019/20 im europäischen Fußball letztlich wirklich abgeschlossen werden kann. „Für die Wettbewerbe ist es sicherlich das Beste“, sagte der 52-Jährige. „Aber ist es möglich, wenn man auf den Kalender schaut, der extrem eng ist? Es ist schwer zu sagen.“ bok