Von Sané bis Alaba: Die Tücken der Corona-Krise

von Redaktion

München – So lange das Mobiltelefon funktioniert, kann Sportdirektor Hasan Salihamidzic trotz Social Distancing in Corona-Zeiten am Bayern-Kader für die kommende Saison basteln. Das tut Salihamidzic derzeit auch – sowohl bei den Profis als auch im Nachwuchsbereich. Allerdings mit Einschränkungen, wie es derzeit so viele Branchen erleben. Speziell auf den FC Bayern umgemünzt heißt das: Wegen der Ausnahmesituation kann der Rekordmeister nicht annähend kalkulieren, wie viele Einnahmen oder Ausgaben in dieser Saison noch anstehen. Das wirkt sich freilich auch auf mögliche Ablösesummen und Gehälter für potenzielle Neuzugänge wie beispielsweise Wunschspieler Leroy Sané aus.

Finanzvorstand Jan-Christian Dreesen formuliert das so: „Natürlich müssen wir die sich stetig verändernde Lage immer wieder neu einschätzen und können daher heute noch nicht sagen, wie die wirtschaftlichen Auswirkungen bei einer Verschärfung der Lage sein werden. Dies auch, weil die Rahmenbedingungen, in denen wir uns bewegen, wie zum Beispiel, ob ein Wettbewerb gespielt wird oder nicht, für uns nicht nur sportlich, sondern auch wirtschaftlich bedeutende Auswirkungen haben und nicht allein von uns beeinflussbar sind.“

Wie komplex diese Situation für Spieler und Klub ist, lässt sich gut am Beispiel von David Alaba festmachen. Der Vertrag des Österreichers läuft im Sommer 2021 aus. Somit wäre der Verteidiger eigentlich in einer guten Verhandlungsposition: Will der Rekordmeister vorzeitig mit ihm verlängern, wird Alaba eine ordentliche Gehaltserhöhung einfordern. Sträubt sich der FC Bayern dagegen und der Spieler lehnt daraufhin eine vorzeitige Verlängerung ab, könnte der Defensiv-Spezialist ein Jahr später ablösefrei zu einem anderen Topklub wechseln – was die Anzahl der potenziellen Arbeitgeber deutlich erhöhen würde. Sollten die Münchner allerdings noch Geld mit ihm verdienen wollen, müssten sie Alaba noch diesen Sommer verkaufen. Wie der Transfermarkt im Sommer aussieht, vermag aktuell allerdings niemand zu sagen. Das betrifft dann auch die Zukunft von Alaba.

Was man bereits sagen kann: Alaba ist prinzipiell nicht abgeneigt, in seiner Profikarriere noch etwas anderes als den FC Bayern zu sehen, wie er immer wieder durchblicken lässt. Aktuell wird er in einem Interview mit der GQ danach gefragt, ob er sich vorstellen könne, in eine andere Stadt zu gehen – wie beispielsweise Madrid oder Barcelona. Alabas Antwort: „Ja. Ob während oder nach der Karriere, das weiß ich nicht. Aber ich kann es mir auf jeden Fall vorstellen.“ Angesprochen auf seinen 2021 auslaufenden Vertrag sagt er: „Ich fühle mich in München sehr wohl. Aber ich kann mir grundsätzlich auch vorstellen, einen anderen Weg einzuschlagen. Das wird sich irgendwann zeigen. Darüber mache ich mir im Moment keine Gedanken.“

Ganz der Wahrheit entspricht der letzte Satz freilich nicht. Dass sich Alaba sehr wohl Gedanken über seine berufliche Zukunft macht, beweist folgende Tatsache. Bereits voriges Jahr hat er sich für diesen Transfersommer Unterstützung von der Agentur SportsTotal geholt. Die Firma berät unter anderem Toni Kroos von Real Madrid. Geschäftsführer Sascha Breese genießt beste Kontakte in die Führungsetage der Königlichen. Ob das im Falle von Alaba für einen möglichen Wechsel zu Real oder einen Vertragspoker beim FC Bayern nützlich ist, steht wegen Corona allerdings in den Sternen. MANUEL BONKE

Artikel 1 von 11