Es wird zu viel verboten

Tennis ginge – von der Grundlinie aus

von Redaktion

GÜNTER KLEIN

Das Motto der Woche lautete „Social Distancing“. Man solle Gesellschaft meiden oder, falls man doch auf andere Menschen trifft, zu ihnen mindestens eineinhalb Meter Abstand wahren. Auch aufgrund dieser Direktive ist das sportliche Leben nicht nur in Deutschland fast zum Erliegen gekommen.

Als Heiko Herrlich vor eineinhalb Wochen als Trainer des FC Augsburg vorgestellt wurde, formulierte er als Zielsetzung, wie man im Abstiegskampf halt so formuliert: „Wir müssen enger zusammenrücken.“ Nein, genau das nicht! Alle müssen auseinanderrücken, und darum kann es derzeit in Teamsportarten eben nicht mal mehr ein Training geben. Weil man ja weiß, wie schnell selbst zwischen Mannschaftskameraden die Lunte in Brand gerät und Spielerköpfe mit den Stirnfronten aneinanderdocken. Jetzt, wo sich selbst ein Trainingskick anfühlen würde wie ein Champions-League-Finale, ist der ja hochemotionale Fußball zu gefährlich.

Die Individualsportarten trifft es jedoch definitiv zu hart. Der Schwimmer, der ins gechlorte Wasser atmet, darf nicht mehr seine Kacheln zählen, der Triathlet schrumpft zum Duathleten, weil er nur aufs Rad und laufen kann – noch. Dabei kann sich der Triathlet darauf berufen, mit Abstand halten sportlich groß geworden zu sein. Auf dem Rad – zumindest auf den längeren Distanzen – besteht immer schon Windschattenverbot. Und da wir schon vom Radsport sprechen: Einzelzeitfahren müsste nach wie vor gestattet sein. Beim Überholen mit angemessenem Seitenabstand.

Nicht in den Kopf will einem das Tennisverbot. Ein korrektes Grundlinienmatch ohne Netzangriffe ist garantiert coronafrei. Okay, wenn man ständig „new balls“ nimmt, was dann wohl geboten wäre, wird’s doch teuer. Selbst beim Tischtennis sehen wir keine Ansteckungsgefahr. Länge einer Platte: 2,74 Meter. Und ein guter Abwehrspieler steht sowieso fünf Meter von der Platte entfernt, wenn der Angreifer schmettert.

Selbst Boxen ginge – zumindest im Henry-Maske-Stil. Als Faustgefecht, bei dem man nicht getroffen wird. Haben sich tatsächlich mal Fans ereifert, dass Henry nie in den Infight ging? Nun, er war schlau und seiner Zeit voraus.

Guenter.Klein@ovb.net

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