Tom Cruise bekämpft das skrupellose System

von Redaktion

Kein Livesport im Fernsehen. Nun ja, leider. Aber nutzen wir doch die Zeit, mal (wieder) ein paar Sportfilme anzuschauen. Unsere Redakteure geben gerne Tipps. Heute: „Jerry Maguire – Spiel des Lebens“.

Draft, Salary Cap, Free Agent – wer schon immer die US-Sportwelt verstehen wollte, muss, fernab von Büro und Kino, den Film aus dem Jahr 1996 laufen lassen.

Handlung: Sportagent Jerry Maguire (Tom Cruise) hat die Nase voll von seinem skrupellosen Geschäft. Das wird ihm spätestens klar, als einer seiner Football-Stars einem stundenlang wartenden Jungen kein Autogramm geben darf, da dieser nicht die korrekte Autogrammkarten-Marke präsentiert.

Über Nacht verfasst Maguire einen Leitfaden für ethisches Handeln in seiner Branche und legt das Werk allen Kollegen seiner Agentur auf den Schreibtisch. Seine Zeilen zeigen Wirkung – er wird gekündigt.

Bei seinem Abgang kann er eine Angestellte der Firma überzeugen, ihm zu folgen. Und natürlich: Mit Dorothy, gespielt von Renée Zellweger, bahnt sich eine Romanze an. Das ist auch der Teil, der zunächst sehr nach Hollywood-Schmonzette klingt, die Liaison wird jedoch so vielschichtig erzählt, dass der Liebes-Drama-Part nicht nervt, sondern berührt.

Beruflich versucht sich Maguire, mit einem einzigen Football-Profi neu aufzustellen – Rod Tidwell (Cuba Goodding jr.): ein exzentrischer Passempfänger mit chronischen Schulterproblemen. Das Duo bildet eine Zweckgemeinschaft, da sie nur noch einander haben. Tidwell hat klare Ansprüche an seinen Agenten: „Führ mich zum Schotter (Show me the money)“, lautet seine Maxime. Es ist ein zynisches Bild, das der Oscar-nominierte Film vom US-Sport zeichnet. Athleten werden ausschließlich an ihren Statistiken gemessen. Kreativität? Unerwünscht. Diese Mentalität ist auch auf die Sportler übergegangen, die nur ihre lebenslange Versorgung für sich und die (Groß)-Familie im Blick haben.

Inzwischen gibt es genügend Gründe, Tom Cruise nicht zu mögen. Jerry Maguire gehört nicht dazu. Cruise zeigt als geläuterter Sportagent, dass egal was um einem herum geschieht, jeder seinem eigenen Moral-Kompass folgen sollte.

Nebenbei nuschelt Bruce Springsteen mit „Secret Garden“ den Zuschauer zu Gänsehaut. So viel sei verraten: Jerry Maguire kennt den Weg zum Schotter. Zu verfolgen bei allen Streaminganbietern. DANIEL MÜKSCH

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