Formel 1 startet so spät wie nie

von Redaktion

Auch Grand Prix in Baku abgesagt – Saisonauftakt frühestens Mitte Juni

Hamburg – Klar, Juan Manuel Fangio. Wer sonst? Der legendäre Argentinier hat in den 50er Jahren in der Formel 1 ja so ziemlich alles gewonnen, was es zu gewinnen gab. Und so triumphierte Fangio auch am 27. Mai 1951 in der Schweiz. Es war damals das Auftaktrennen, nie wieder startete eine Saison später. Bis jetzt.

Gestern gaben die Formel-1-Macher bekannt, dass Weltmeister Lewis Hamilton (Mercedes) und Co. wegen der Coronakrise auch am 7. Juni nicht wie geplant in Baku/Aserbaidschan fahren können. Damit ist nun auch das achte Rennen der Saison 2020 entweder verschoben oder abgesagt worden. Weltverbands-Präsident Jean Todt sprach von einer „historischen Pandemie“, niemand wisse derzeit, „wann unser Leben zurück zur Normalität findet“.

Damit wird der Auftakt der Königsklasse des Motorsports 2020 frühestens Mitte Juni in Kanada stattfinden. Doch es mehren sich die Anzeichen, dass auch das für den 14. Juni in Montreal geplante PS-Spektakel bedenklich wackelt. So oder so: Die Formel-1-Saison wird so spät wie noch nie beginnen.

Auf diesen historischen Rekord hätte Formel-1-Geschäftsführer Chase Carey sicher gerne verzichtet. Eigentlich hatte der Manager aus den USA die Gewinne der Rennserie mit einem vor Saisonbeginn 22 Rennen umfassenden Rekordkalender maximieren wollen.

Doch dass in diesem Jahr so viele Grand Prix wie nie zuvor in der 71-jährigen Formel-1-Geschichte stattfinden, scheint längst ausgeschlossen. Daran, dass alle verschobenen Rennen nachgeholt werden können, glaubt im Zirkus kaum noch jemand. Die Zeit wird ja immer knapper, außerdem verkommt die auf die Teams zukommende logistische Aufgabe mehr und mehr zu einem Ding der Unmöglichkeit.

Der etatmäßige Saisonauftakt in Melbourne/Australien (15. März) war erst zwei Stunden vor dem ersten Freien Training aufgrund eines positiven Coronafalls beim McLaren-Rennstall gecancelt worden. Es folgten in kurzer Folge die Verlegungen der Rennen in Bahrain (22. März), Vietnam (5. April), den Niederlanden (3. Mai) und Spanien (10. Mai). Bereits im Februar war der Große Preis in China (19. April), dem Ursprungsland des Coronavirus, vorläufig abgesagt worden. Der Klassiker in Monaco am 24. Mai wurde wegen des aufwändigen Streckenbaus ersatzlos gestrichen.

Zudem verlegte die Formel 1 in der Vorwoche die üblicherweise im August abgehaltene Sommerpause in den März und April und verlängerte diese von zwei auf drei Wochen. Der frei gewordene Korridor im Sommer soll genutzt werden, um verschobene Rennen nachzuholen. Doch für alle wird es nicht reichen.  sid

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