Das Corona-Virus kann uns unglaublich viel nehmen. Aber nicht die Fantasie. Besonders der Fußball sollte in diesen Tagen überlegen, wie der beliebteste Sport der Welt in seiner professionalen Form nach der Pandemie aussieht.
Hier ist man sich einig: Die Exzesse der letzten Jahren sollen ein Ende haben – nicht nur coronabedingt, sondern nachhaltig. Wenn ich mir eine deutsche (europäische) Fußball-Branche kreieren darf, sieht sie so aus: Die Bundesliga streicht die 50+1-Regel aus den DFL-Statuten und öffnet sich für Investoren. Schon jetzt müssten manche Clubs weniger Angst um ihre Existenz haben, stünde an ihrer Seite ein finanzstarker Geldgeber, der wirtschaftlich selbst einer historischen Virus-Attacke gewachsen ist.
Natürlich muss man dafür sorgen, dass kein Wettbieten zwischen Öl-Magnaten und Wall-Street-Kapitalanlegern entflammt. Daher ist es zwingend notwendig, dass Auftreten dieser Investoren zu reglementieren. Eine Gehaltsobergrenze nach dem Vorbild der US-Profiligen (Salary Cap) wäre ein erster Schritt. Eine Deckelung beträfe sowohl das Gehalt eines einzelnen Spielers, als auch die Gesamtausgaben für einen Kader.
Ein ähnliches Modell ist für die Transferausgaben notwenig, damit ein 222-Millionen-Euro-Wechsel wie der von Neymar vom FC Barcelona zu Paris Saint-Germain als Warnung aus einer dunklen Vorzeit erscheint. Solche Reformen ergeben aber nur Sinn, wenn sie europäisch – also von der UEFA angestoßen werden. Noch besser natürlich von der FIFA. Dass die gesamte Fußball-Welt in die Coronakrise geschlittert ist, könnte sich hier als zynischer Vorteil erweisen.
Die Bundesliga ließ verlauten, dass sie gravierende Einschnitte erwartet. So hofft Max Eberl, Manager von Borussia Mönchengladbach, auf eine „Enthitzung“ seiner Geschäfte. Momentan scheinen Funktionäre erst einmal nur Schadensbegrenzung im Blick zu haben – was bei dem Tempo der Krise und der Dramatik nicht verwunderlich scheint.
Ist jedoch wieder etwas Planungssicherheit vorhanden, sollten alle Beteiligten über solche Reformen nachdenken. Ansonsten wäre eine historische Chance vertan und die Spirale würde sich aufs Neue in Bewegung setzen. Bis zum nächsten Crash.
Daniel.Mueksch@ovb.net