Zwischen Laptop und Pferdepuzzle

von Redaktion

Man liest das vermutlich nicht raus, aber der Sportteil dieser Zeitung entsteht seit acht Tagen nicht mehr im Pressehaus Bayerstraße. Sondern in Schwabing. In Harlaching. In Berg am Laim, Ebersberg, Feldmoching. Im Großraumbüro sitzen nur noch zwei einsame Blattmacher, der Rest der Redaktion arbeitet dort, wo sich alle Deutschen seit einer Woche aufhalten sollen: in den eigenen Wänden.

Homeoffice ist angesagt, und das bedeutet Neuland für so ziemlich alle Kollegen. Wie läuft das technisch, organisatorisch, räumlich? Konkret gefragt: Wo in einem Haus mit drei schul- und kitabefreiten Kindern richtet man seine Büroecke ein? Diese Kolumne entsteht aus Platzgründen am Küchentisch des besagten Fünfpersonenhaushalts, und das – Sie ahnen es – ist nicht ohne Tücken.

Das fängt schon damit an, dass ein Küchentisch ziemlich klein wird, wenn darauf gleichzeitig zwei Laptops parken, etliche Blätter über den Wasserkreislauf (HSU, 4. Klasse), Erläuterungen für das Schreiben mit Füller (2. Klasse) und ein Pferdepuzzle. Um Ihren berechtigten Einwänden gleich mal zu begegnen: Ja, wir halten nicht diese Art von Abstand, die sich die Bundeskanzlerin wünscht, aber erstens gilt ja: Hat es einer in der Familie, haben es alle. Und zweitens: Virologisch gesehen müssten wir seit dem 14. März als undenklich gelten. So lange liegt die 14-Tage-Quarantäne für Südtirol-Urlauber hinter uns.

Schule und Kita dahoam ist fast schon ein alter Hut für uns. Neu ist, dass seit letzter Woche gleich zwei im Homeoffice arbeitende Elternteile hinzugekommen sind. Die stören nicht nur gewisse Freiheiten, an die sich die Kinder gewöhnt haben (Elfmeterschießen im Esszimmer, Legoverteilen im ganzen Haus), sondern können auch ganz schön nerven, wenn sie Ruhe einfordern („Der Chef ruft an!“), nachvollziehbare Bitten zurückweisen („Putz doch mal selbst . . .“) und neue Abläufe festlegen. Zum Beispiel: Mittagessen gibt’s erst, wenn die ersten Artikel geschrieben sind. Wahlweise: Teile des durchaus beachtlichen Hausaufgaben-Stapels abgearbeitet sind.

Aber, wie sagte Söder zurecht: „Bayern steht vor einer historischen Bewährungsprobe.“ Uneingeschränkt gilt das auch für unsere Homeoffice-Familie, die aber eines Tages erkennen wird: Das Corona-Frühjahr 2020 – es hatte auch seine positiven Seiten. Der Garten war noch nie so unkrautfrei. Beide Jungs sind sehr passable Skatspieler geworden. Es haben überhaupt alle ihren Horizont erweitert. Den Wasserkreislauf kann ich inzwischen im Schlaf. Und ob Merkel, Spahn oder Drosten im Fernsehen auftreten – unsere Dreijährige (er)kennt sie alle. ULI KELLNER

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