„Es ist selbstverständlich, Abstriche zu machen“

von Redaktion

Bayern-Kapitän Neuer über das Privileg als Fußball-Profi, weniger Gehalt und seine Stiftung

München – Die Bayern-Spieler halten sich daheim fit – sind aber bestens vernetzt. Und so hat Manuel Neuer auch von all seinen Mannschaftskollegen positive Resonanz erfahren, als es um den Gehaltsverzicht in der Coronakrise ging. 20 Prozent sind eine ganze Menge – aber alle zogen sofort mit, wie der 33-Jährige im Interview erzählt.

Herr Neuer, Sie haben derzeit durch die Corona-Krise mehr Freizeit als üblich. Können Sie diese Zeit auch dafür nutzen, sich rund um Ihre Stiftung – die Manuel Neuer Kids Foundation – zu engagieren?

So viel mehr Freizeit ist es nicht. Aber dennoch bleibt natürlich immer genügend Zeit, um sich für soziale Themen einzusetzen. Meine Stiftung, die in diesem Jahr ihr zehnjähriges Bestehen feiert, hat bei mir schon immer eine hohe Relevanz gehabt. Ich bin hier meinen Mitarbeitern vor Ort sehr dankbar, die allesamt wunderbare Arbeit leisten. Nun geht es natürlich auch da um Sorgen und Nöte, um die Gesundheit und um Arbeitsplätze. Hier bringe ich mich mit Ideen und Lösungen sehr gerne ein.

Inwiefern beeinträchtigt die Pandemie die Arbeit der Stiftung und die in den MANUS, den Kinder- und Jugendhäusern?

Unser Haus in Gelsenkirchen musste natürlich auch – wie jede andere öffentliche Institution – geschlossen werden. Nun stehen wir mit den Kids und Jugendlichen auf verschiedensten Wegen der Kommunikation in Kontakt, weil wir sie ja gerade jetzt nicht alleine lassen wollen. Für das Haus in Bottrop wurde gerade die Bodenplatte gelegt. Hier gehen die Bauarbeiten zum Glück weiter.

Sie engagieren sich als Kapitän der deutschen Nationalmannschaft in der Krisenzeit, insgesamt werden 2,5 Millionen Euro gespendet. Wie leicht fiel diese Entscheidung? Wer waren die treibenden Kräfte?

Die Entscheidung fiel überhaupt nicht schwer, weil sie selbstverständlich ist. Es war ein Kreis von Spielern, die mit dem Team-Management diskutiert haben und es war dann meine Aufgabe als Kapitän, alle weiteren Akteure zu informieren. Toll war die sofortige positive Resonanz, die ich in jedem Gespräch erfahren habe.

Auch beim FC Bayern, verzichten Sie mit Ihren Teamkollegen, dem Vorstand und dem Aufsichtsrat während der Corona-Krise auf 20 Prozent der Gehälter. Wie kam diese Entscheidung zustande? War sich der Mannschaftsrat im Gespräch mit Karl-Heinz Rummenigge, Oliver Kahn und Hasan Salihamidzic sofort einig?

Ich werde Ihnen jetzt nichts aus internen Gesprächen verraten. Aber Fakt ist: Wir Profifußballer sind eine besonders privilegierte Berufsgruppe, für die es eine Selbstverständlichkeit ist, finanzielle Abstriche zu machen, wenn Not herrscht. Der FC Bayern hat rund 1000 Mitarbeiter und noch viele mehr, die rund um den Verein wichtige Aufgaben erfüllen. Denen wollen wir als Mannschaft mit unserem Verzicht helfen und Sicherheit bieten.

In der aktuellen Krisensituation rücken die Fußball- und Sportwelt zusammen. Wie sehen Sie das Engagement der Leistungssportler?

Das ist natürlich schön, was man so aus vielen Vereinen hört. Man sollte aber nicht vergessen, dass es eine ganze Menge an Sportlern gibt, die seit Jahren unermüdlich helfen und sich sozial engagieren.

Interview: Jonas Austermann

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