München – 2019/20 war eine grandiose Saison für die Deutsche Eishockey Liga (DEL). Zumindest in einem Punkt: In der Hauptrunde begeisterten die drei „Gitterspieler“: John-Jason Peterka (München), Tim Stützle (Mannheim) und Lukas Reichel (Berlin), die als 17-Jährige in die Saison gingen (Reichel ist es immer noch) und daher ihr Gesicht schützen mussten. „JayJay“ Peterka, der das Gitter mit dem 18. Geburtstag im Januar abmontieren durfte, stand vor seinen ersten Playoffs – die dann vor zwei Wochen abgesagt wurden. Wie man als junger Spieler damit umgeht und wie sich seine persönliche Zukunft gestalten wird, verriet er im Interview.
John-Jason, wie verbringen Sie die Zeit gerade?
Mit Sommertraining, dafür haben wir schon Pläne bekommen. Und ich mache viel für die Schule.
Wie stellt man sich das Training vor? Daheim im Zimmer?
Im Keller haben wir viel Platz. Und ich profitiere davon, dass wir einen Garten haben. Ich fahre viel auf dem Spinning-Bike, und abends gehe ich zum Laufen raus.
Die Red-Bull-Akademie in Liefering bei Salzburg bietet auch keine Möglichkeit?
Die ist ebenfalls derzeit geschlossen. Ich war ja bis letztes Jahr dort, habe mit den Jungs Kontakt. Die mussten alle nach Hause. Aber es könnte eine Option für mich sein, dort zu trainieren, wenn wieder geöffnet wird.
Das letzte Spiel war am Sonntag, 8. März. Der EHC gewann in Krefeld. War auf der Heimfahrt die mögliche Absage der Playoffs bereits ein Thema?
Es wurde darüber gesprochen, dass es geschehen könnte, dass wir die Spiele ohne Zuschauer austragen müssen. Dass aber gar nichts sein würde, daran hatten wir nicht gedacht. Und wir wollten es auch gar nicht glauben, als es zwei Tage später feststand. Das fühlte sich bitter an. Wir hatten alles gegeben für Platz eins und das Heimrecht in den Playoffs.
Was passierte danach in München?
Wir hatten am Donnerstag noch ein Teammeeting und Abschlussgespräche. Die Importspieler flogen danach alle nach Hause.
Und Sie wurden vom DEB aufgefordert, sich noch weiter bereit zu halten?
Ja, aber seit dem vergangenen Wochenende hat sich das auch erledigt.
Hätten Sie die A-WM gespielt?
Das weiß ich nicht, es waren ja mehr Spieler nominiert.
Vom Alter her hätten Sie auch die U18-Weltmeisterschaft spielen können – doch natürlich wurde auch die gecancelt.
Ja, über die Teilnahme hätte ich mich riesig gefreut. Das Turnier wäre in Minnesota in den USA gewesen, eine große Sache. Voriges Jahr haben wir den Aufstieg geschafft.
Die U18-WM hätte sich aber mit den Playoffs in der DEL überschnitten. Was hätten Sie denn gespielt?
Das hätte nicht ich entschieden, sondern Verband und Verein. Beides wäre für mich großartig gewesen.
Wie beurteilen Sie Ihre erste DEL-Saison?
Superpositiv. Ich habe viel mehr Eiszeit bekommen als erwartet, das Vertrauen der Coaches freut mich sehr. Ich habe superviel gelernt von den älteren Spielern in der Mannschaft, jedes Training mit Erwachsenen hat geholfen.
Es sah nicht so aus, als hätten Sie Umstellungsschwierigkeiten vom Junioren- aufs Männer-Hockey.
Die Saisonvorbereitung und die ersten Spiele der Champions League habe ich schon gebraucht, um mich an das Niveau zu gewöhnen.
Es ist kein Geheimnis: Sie möchten mal in der NHL spielen, der besten Liga der Welt. Die diversen Scouting-Reports sehen Sie weltweit zwischen Platz 10 und 15 der Talente des Jahrgangs 2002. Wie ist Ihr Kenntnisstand über den Draft im Juli? Findet er überhaupt statt? Und in welcher Form?
Da weiß ich auch nichts Genaues. Es ist auch noch nichts bekannt über den Combine. . .
. . . bei dem die potenziellen Draft-Kandidaten sich mit den 31 NHL-Vereinen austauschen können. Scouts aus Nordamerika waren regelmäßig bei Münchner Spielen. Hatten Sie da Kontakt?
Ja, da kam es nach den Spielen zu Gesprächen. Denn die wollen auch wissen, was für ein Typ man ist. Neulich habe ich mit einem Scout mich auch via Facetime unterhalten.
Wie ist der Plan? So schnell wie möglich rüber?
Kann ich noch nicht sagen. Ich fühle mich auch in München, meiner Heimatstadt, ausgesprochen wohl.
Sie sprachen eingangs davon, dass Sie derzeit viel für die Schule machen. Sie gehen seit einem Jahr – online – auf ein Hamburger Gymnasium. Wie läuft der Unterricht ab?
Ich bekomme die Bücher zugeschickt, arbeite die durch, auf der letzten Seite ist dann ein Test, den ich machen und einschicken muss. Dafür gibt es Noten, mit denen ich zum Abitur zugelassen werde. Zu dem muss ich dann aber persönlich erscheinen. In eineinhalb Jahren sollte ich fertig sein.
Ihre Lieblingsfächer?
Ich muss zugeben: Mathematik. Und Chemie. Das hatte ich zuvor schon drei Jahre und mache es gerne, wo ich schon den ganzen Tag zu Hause bin.
Interview: Günter Klein