„In der Antarktis hatte ich Gänsehaut“

von Redaktion

Der deutsche Lars Crusius läuft sieben Marathons in sieben Tagen auf sieben Kontinenten

München – Die Lunge brennt. Die gefühlte Temperatur liegt bei Minus 25 Grad. Der Wind peitscht gnadenlos mit einer Geschwindigkeit von 37 km/h gegen den Körper – der kalte Atem der Antarktis. Es gibt sicherlich gemütlichere Orte, an denen man sich im Februar diesen Jahres aufhalten kann. Doch der deutsche Lars Crusius hat noch über 40 Kilometer vor sich. Er absolviert die „World Marathon Challenge“ – innerhalb von sieben Tagen müssen sieben Marathons auf sieben Kontinenten absolviert werden.

Eine Etappe findet in der Antarktis statt. Es werden jeweils 3-Kilometer-Runden um eine Flugzeuglandebahn gelaufen, bis die Distanz von 42,195 Kilometern erreicht ist. „Das ist schon krass. Du bist an einem Ort, wo normalerweise kein Mensch hinkommt, und läufst einen Marathon“, sagt Crusius. Den besonderen Moment wollte er mit seiner Kamera festhalten. Doch schon nach wenigen Sekunden sind die Hände so eingefroren, dass er sie wieder in die dicken Handschuhe stecken muss. Es sind ohnehin Momente, die keine digitale Aufbereitung benötigen. Crusius hat die Bilder auch einen Monat später, noch genau im Kopf abgespeichert. Die Antarktis vergleicht er mit einer Insel, die über unendliche Weiten in einer Farbpalette aus Weiß und Blau verschwindet. Der Lauf in der klirrenden Kälte startet abends, am Horizont zeichnet sich der Sonnenuntergang ab: „Ich hatte Gänsehaut.“

Während seines Studiums entdeckt der Apotheker seine Begeisterung für das Laufen. Zu seinen besten Zeiten läuft er 140 Kilometer in der Woche, heute sind es noch 50 bis 60. Seinen ersten Marathon absolviert er in Berlin, seine Bestzeit liegt bei drei Stunden und 16 Minuten. Doch es sind vor allem die extremen Herausforderungen, die Crusius anspornen. So absolviert er unter anderem den Transalpine-Run. Bei der Alpenüberquerung werden in acht Tagen rund 15 000 Höhenmeter überwunden.

Als Crusius im Internet Bilder von der World Marathon Challenge sieht, ist er sofort fasziniert. 40 000 Euro beträgt die Anmeldegebühr, die die Verpflegung sowie die Anreise zu den einzelnen Marathon-Destinationen inkludiert. Für die Teilnehmer des Wettbewerbs ist ein eigenes Flugzeug gechartert. Crusius absolviert die Läufe in Novo (Antarktis), Kapstadt (Südafrika), Perth (Australien), Dubai (Asien), Madrid (Europa), Fortaleza (Südamerika) und Miami (Nordamerika) durchschnittlich in vier Stunden und zehn Minuten.

Muskelkater hat er trotz der hohen Frequenz von Extremleistungen nicht. Natürlich gibt es Momente, die extrem hart waren. Der „hässliche Wind“ in der Antarktis etwa, der ihm den Schnee ständig in die Schuhe bläst, sodass Crusius improvisiert und seine Füße zusätzlich in eine Tüte einwickelt. Auch die teils unübersichtliche Streckenführung in Miami war nervenaufreibend, die extreme Hitze in Brasilien eine Belastungsprobe für den Körper.

Doch es sind besonders die schönen Momente, an die Crusius sich erinnert: „Als ich in Kapstadt losgelaufen bin, habe ich mich umgedreht und auf den Hafen geblickt. Die untergehende Sonne hat das Meer in ein Farbspektakel verwandelt. Es lief mir kalt den Rücken runter.“

NICO-MARIUS SCHMITZ

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