Projekt am seidenen Faden

von Redaktion

Manager Kronthaler will über Ostern entscheiden, ob es mit den Alpenvolleys weitergeht

VON UMBERTO SAVIGNANO

Unterhaching/Innsbruck – Die Zukunft des Sports ist derzeit quer durch alle Sparten und auf allen Ebenen ungeklärt. Für die Alpenvolleys Haching stellt sich neben den vielen offenen Fragen rund um die Corona-Krise jedoch noch eine zusätzliche: Wird das 2017 ins Leben gerufene Volleyball-Gemeinschaftsprojekt des österreichischen Rekordmeisters aus Innsbruck mit dem vierfachen deutschen Pokalsieger aus Unterhaching fortgeführt?

Die grenzüberschreitende deutsch-österreichische Bundesliga-Kooperation war ja zunächst für drei Jahre vereinbart worden, eine Entscheidung steht also unabhängig von der Pandemie-Lage an. Dabei hängt die Antwort laut Hannes Kronthaler aber durchaus mit deren weiteren Entwicklung zusammen: „Man hat jetzt keine Zeit über Sponsoring zu reden“, sagt der Alpenvolleys-Manager, der als Geschäftsführer eines großen Tiroler Bauunternehmens durch die Krise selbst stark in Anspruch genommen ist. Immerhin hat die Volleyball-Bundesliga (VBL) der Situation Rechnung getragen, indem sie die Frist für die Lizenzanträge um einen Monat bis zum 15. Mai verlängerte.

Das helfe zwar, so Kronthaler, doch insgesamt klingt der 54-Jährige alles andere als optimistisch: „Ich glaube, dass der Sport ein Jahr darniederliegen wird. Und als erstes wird den Fußballern geholfen werden, die ja schon jammern, dass sie Milliardenverluste haben. Dann erst werden die Randsportarten kommen. Es werden jedenfalls alle abspecken müssen.“

Neben der allgemein schwierigen aktuellen Lage hängt Kronthalers Entscheidung für oder gegen eine Alpenvolleys-Zukunft vor allem davon ab, ob sich in Sachen Finanzierung des Bundesliga-Betriebs nördlich der Grenze etwas tut: „In Tirol habe ich Sponsoren, aber nicht die große Akzeptanz. In Bayern habe ich eine große Akzeptanz, aber wenige Sponsoren.“

Geldgeber zu finden, sei momentan allerdings wiederum dadurch besonders erschwert, dass in Deutschland die Corona-Auswirkungen gegenüber Österreich mit etwa zwei Wochen Verspätung zu spüren seien, so der Innsbrucker: „Ich glaube nicht, dass jemand mich dann zu Gesprächen über Volleyball empfängt.“

Es ist Kronthaler anzumerken, dass er sich von dem Projekt nicht leichthin verabschieden will. Der österreichische Rekordnationalspieler liebt seinen Sport und er ist mit dem bisher Erreichten auch insgesamt zufrieden: „Immerhin waren wir über die drei Jahre gesehen die klare Nummer drei der Bundesliga.“ Weniger positiv war der letzte Eindruck: Die Alpenvolleys fielen in der Liga nach drei Niederlagen in Folge von Rang zwei auf Rang vier zurück, wären im Halbfinale der Playoffs vermutlich auf Titelverteidiger Berlin getroffen, was wohl das Aus für das erklärte Saisonziel Final-Teilnahme bedeutet hätte: „Ich glaube nicht, dass wir eine Chance gegen Berlin gehabt hätten“, räumt Kronthaler ein. Ob er mit den Alpenvolleys einen neuen Anlauf in Richtung Endspiel nimmt, ist derzeit, wie so vieles, völlig offen: „Ich werde mir über die Osterfeiertage Gedanken machen.“

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