Oft genug wurde das Bild der abgehobenen Fußball-Millionäre in den letzten Jahren gezeichnet: Wochenendausflüge auf eine Luxus-Jacht, goldene Rolex-Uhren oder aufgemotzte Fahrzeuge im Wert eines Mehrfamilienhauses. Die Kicker gaben sich auch wahrlich Mühe, dieses Klischee am Leben zu halten.
So wie man dieses Protzverhalten damals wie heute und morgen hinterfragen muss, ist es eine Frage der Fairness, zu sagen: In der Corona-Krise machen die Popstars des Sports bis dato eine gute Figur. An vorderster Front die Spieler des FC Bayern. Begonnen hat es mit der Kritik von Mittelfeldstratege Thiago an dem Plan, das Duell bei Union Berlin zu Beginn der Corona-Maßnahmen als Geisterspiel auszutragen. Inzwischen hat er seinen Worten Taten folgen lassen. Mit seiner Stiftung unterstützt Thiago das „Hospital Clinic de Barcelona“ in seiner von der Pandemie schwer betroffenen Heimat.
Seine Kollegen Leon Goretzka und Joshua Kimmich gründeten das Projekt „We kick Corona“, mit dem das Duo schon mehr als 3,3 Millionen Euro gesammelt hat. Die erste Million steuerten die Nationalspieler selbst bei. Gleichzeitig spendete Robert Lewandowski ebenfalls eine Million Euro. Thomas Müller gibt den Corona-Helfern in seinem Heimatort Pähl am Ammersee Mittagessen aus. Javier Martinez ging in Grünwald mit dem Roten Kreuz von Tür zu Tür und verteilte Einkäufe an Risikogruppen.
Daneben verzichten die Profis – genauso wie die Verantwortlichen – beim Rekordmeister auf 20 Prozent ihres Gehaltes. „Wir Fußballer sind eine besonders privilegierte Berufsgruppe, für die es eine Selbstverständlichkeit ist, finanzielle Abstriche zu machen, wenn Not herrscht“, sagte Manuel Neuer unserer Zeitung. Natürlich gibt es darüber hinaus noch gebündelte Aktionen der Verbände und Ligen. Dass sich die Spieler aber nicht einfach solchen Initiativen anschließen, zeigt: Der Profi-Fußballer ist besser als sein Ruf.
Der Wermutstropfen: Schade, dass es einer epischen Krise bedarf, damit sich Fußballer von ihrer besten Seite zeigen. Aber es wird eine Zeit nach Corona geben. Dann haben sie die Chance, ihr Image langfristig zu verbessern.
Daniel.Mueksch@ovb.net