ZWISCHENTÖNE

Wir müssen den Fußball retten

von Redaktion

Wir müssen uns entschuldigen. Natürlich hatten sie, aus heutiger Sicht betrachtet, völlig recht beim BFV, den Fußball mehr auf die Konsole zu verlagern. Vor drei Wochen noch hatten wir sie dafür an dieser Stelle arg gescholten, weil für uns der Fußball auf den Rasen gehört, Kinder auf Sport- und Bolzplätze, nicht als Stubenhocker vor Playstation und Computer. Weil Kinder sich bewegen sollen, laufen, toben, sich auspowern im Spiel mit Freunden.

Was nun alles nicht mehr geht. Wie lange, weiß niemand.

Außer vielleicht der Bayerische Fußball-Verband. Der scheint ja mit enormem Weitblick gesegnet, was er mit der erst kürzlich erfolgten Einführung von eFootball-Ligen bewiesen hat. Gerade haben wir eine Pressemitteilung der Piratenpartei gelesen, die den virtuellen Sport in Corona-Zeiten als Chance sieht, aus der zermürbenden Isolation auszubrechen, mit anderen aktiv zu sein und Frische, wenn schon nicht an die Haut, wenigstens in den Kopf zu bringen. So wird der Fußball dann nicht ganz vergessen in diesen Tagen, da uns die Decke auf den Kopf zu fallen droht. Und der BFV darf sich rühmen, ein Vorreiter gewesen zu sein, der DFB folgt nun.

Der Sport steht gerade, wie wir alle, vor unglaublich großen Herausforderungen. Wir sollten uns aber nicht so sehr um Olympia sorgen, nicht um wohl bröckelnde Milliardenumsätze der Bundesliga, auch nicht so sehr um den, wenn auch durchaus dramatischen, Existenzkampf der Dritt- und Regionalligisten. Sondern in erster Linie um unsere Kinder und Jugendlichen. Was passiert mit ihnen, wenn sie einen ganzen Sommer nicht kicken dürfen, nur daheim vor Bildschirm und Konsole sitzen, weil Sportanlagen, Bolz- und Spielplätze gesperrt sind? Was ist, wenn sie irgendwann wieder raus dürfen? Werden sie wieder Spaß finden am Fußball, an Bewegung, am Sport? Ein ganzer Sommer ist eine verdammt lange und wichtige Zeit in der mentalen, physischen und sozialen Entwicklung von Kindern. Vielleicht haben sie an der Konsole den realen Fußball gar nicht mal so sehr vermisst?

Es scheint, als seien die Visionäre des Bayerische Fußball-Verbandes erneut massiv gefordert. Müssen nun aber neue Strategien für eine Zukunft des traditionellen Spiels entwickeln, für die Rückholaktion der Kinder auf den Rasen, in die Vereine, in den normalen Spielbetrieb. Ein Sommer ohne Fußball kann so viel zerstören, der virtuelle Sport ist kein Ausgleich mehr, er ist nun, mehr denn je, zur Konkurrenz geworden. Wechselt eine ganze Generation junger Fußballer in die virtuelle Welt? Überleben denn die kleinen Vereine? Haben Funktionäre und Nachwuchstrainer, die beruflich neu durchstarten müssen, noch Zeit für unbezahlte Vereinsarbeit und Kindertraining?

Darüber müssen wir uns Sorgen machen, wenn uns das verdammte Virus wieder mal klar und in die Zukunft denken lässt. Nicht darüber, ob der FC Bayern heuer wegen Corona die achte Meisterschaft in Folge verpassen könnte, ob Ablösesummen und Gehälter weiter in astronomischer Höhe fließen, ob FIFA und UEFA massive Einbußen drohen. Wir müssen schauen, dass wir nicht zu viele Kids an das virtuelle Spiel verloren haben, wir müssen ihnen nach der erzwungenen Stubenhockerei zeigen, wie großartig das Kicken an der frischen Luft ist und wie schön, Freunde nicht nur im Netz, sondern ganz altmodisch auf dem Platz zu treffen.

Wir müssen den Fußball retten. Nicht den Fußball der Millionäre, sondern den ganz unten an der Basis. Bei den Kindern, bei den Jugendlichen, bei den Amateuren. Darum wird es gehen. Hoffentlich so bald wie möglich.

Von Reinhard Hübner

Die Basis des Spiels ist in Gefahr – es braucht jetzt möglichst schnell Strategien zur Zukunftssicherung

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