Der Watzmann als Stimmungs-Aufheller

von Redaktion

München – Manuel Machata ist nicht in Mailand, zum Glück. Der 35-Jährige sitzt daheim, in Berchtesgaden, und ist nach eigenen Angaben „entspannt“. Seinen Sportlern und Sportlerinnen geht es gut, das sei die Hauptsache. Und er genieße das Privileg, am Fuße des Watzmanns zuhause zu sein. „Hier ist das alles erträglich“, sagt Machata mit Blick in die Alpen. All das, was passieren kann, ist bisher nur in seinem Hinterkopf: „Ich muss es ja eh nehmen, wie es kommt.“

Die Coronakrise hat auch den Wintersport erreicht – obwohl zum Beispiel die Bobfahrer nicht mehr unmittelbar in ihren Weltcups betroffen waren. Die Saison, in der Machata als Bundestrainer der Italiener mit zwei Teams an den Start gegangen war, konnte bis zum Schluss gefahren werden. Die Gesamtsieger standen fest, die Weltmeister waren gekürt, als die Welle des Virus die Welt lähmte. Trotzdem ist Machata betroffen: Die Heimat seiner Sportler ist von Corona besonders gebeutelt, die Zahlen aus Italien sind Tag für Tag schockierend. Sie alle sind daheim, bei ihren Familien, und haben von ihrem deutschen Chefcoach Hausaufgaben bekommen. „Echtes Homeoffice ist ja in unserem Fall nicht möglich“, sagt der Weltmeister von 2011. Es geht im Moment darum, „alternativ zu trainieren“. Denn die ursprüngliche Planung ist freilich längst dahin.

Wintersportler werden im Sommer gemacht, sagt man ja gerne. Und im Fall von Machata und seinem Team gilt dieser Satz noch mehr als bei den Top-Nationen im Weltcup. Das deutsche Team musste die Testfahrten in Lake Placid zwar auch vor zwei Wochen abbrechen und auf dem schnellsten Weg zurückfliegen. Für Weltklasse-Athleten wie unter anderem Machatas Kumpel Johannes Lochner aber ist nicht jede einzelne Fahrt im Eiskanal so wichtig wie für die italienischen Piloten. Sie wollten im Frühjahr in La Plagne testen, die Ideallinie finden, tüfteln. All das wurde nun abgesagt – auf dem Weg zu den Olympischen Spielen 2022 und vor allem 2026 ein Rückschlag.

Machata hat seinen Job vor gut einem Jahr ja mit einer klaren Mission angetreten: Er soll bis zu den Heim-Spielen in Mailand und Cortina d’Ampezzo eine Truppe zusammenstellen, die den deutschen, russischen, lettischen, kanadischen und anderen Top-Bobs eine echte Konkurrenz sein kann. Er sagt: „Jede Woche, in der nichts passiert, ist verloren.“ Sechs Jahre – das hört sich nach viel an, ist im Leistungssport aber wenig. Vor allem, weil eine erste Bilanz seiner Arbeit bereits nach den Spielen 2022 in Peking gezogen werden soll. Ist der eingeschlagene Weg richtig, soll er weitergehen. Ist er das nicht, wird Machata sich rechtfertigen müssen.

„Ich habe keine Angst um meinen Job“, sagt Machata. Dass er sich trotzdem Sorgen um diesen, seinen Sport macht, merkt man ihm an. „Ich weiß ja nicht mal, ob wir im nächsten Winter eine echte Saison haben werden“, fügt er hinzu. Wenn die Krise bis dahin anhält, müsste auch er enorm umplanen. Bisher sieht der Plan vor, neben den beiden Weltcup-Teams neue Piloten aufzubauen, sie an die schnellen Bahnen heranzuführen. „Für die würde es dann zu knapp werden“, sagt Machata. Nur der Watzmann macht diesen Ausblick erträglich. H.RAIF

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