Sportpolitik
In der Stunde der Niederlage erwies sich Alfons Hörmann als fairer Verlierer. Der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) gratulierte der Sensationssiegerin Indra Baier-Müller (49) von den Freien Wählern und wünschte der gewählten Landrätin „Erfolg und Freude“ in ihrem neuen Amt. Diesen Job hätte Hörmann auch gerne gehabt, obwohl er wegen seiner ehrenamtlichen Tätigkeit als oberster Sportfunktionär Deutschlands schon viel zu tun hat. „Leider ist es mir am Ende nicht gelungen, die erforderliche Mehrheit für meine Ideen und Vorhaben zur Entwicklung der Allgäuer Zukunft zu sichern“, räumte Hörmann bei Facebook ein.
Hörmanns Niederlage war politisch eine riesige Überraschung. Bislang hatte die CSU im Oberallgäu stets den Landrat gestellt. Bei den Kommunalwahlen vor 14 Tagen hatte der 59-Jährige mit 44,4 Prozent auch noch klar vorne gelegen, doch in der Stichwahl schwenkten die Wähler um, die Diakonie-Geschäftsführerin aus Kempten kam auf 51,85 Prozent – Hörmann auf 48,15.
Die Ämter-Häufung bei Hörmann war wohl auch vielen Wählerinnen und Wählern im tiefsten Süden Deutschlands ein Dorn im Auge. Gerade in Corona-Zeiten wünschten sie sich offenbar einen Landrat, der sich stärker auf die Politik fokussiert und sich nicht durch die Verlegung von Olympischen Spielen und anderer Herausforderungen ständig mit dem Sport befasst. Kritiker hatten befürchtet, dass es im Falle eines Doppelmandats zu Interessenkonflikten kommen würde. So steht 2021 im Allgäu (Oberstdorf) die Nordische Ski-WM an. Der Sport hat bei einem solchen Event bekanntlich andere Forderungen als die Menschen und Anwohner vor Ort – hier wäre Hörmann bestimmt an Grenzen gestoßen.
Der Deutsche Olympische Sportbund richtet einen eigenen Solidarfonds zur Förderung der „Vielfalt des Vereins- und Verbandsports“ in Krisenzeiten ein. Wie der DOSB am Montag mitteilte, stellt die Stiftung Deutscher Sport einen Grundstock von einer Million Euro bereit. Diese Summe solle durch einen Spendenaufruf an die Öffentlichkeit weiter aufgestockt werden. Auch einige Wirtschafts- und Medienpartner des DOSB und der Deutschen Sport Marketing hätten Interesse an der Unterstützung signalisiert.
Der DOSB wolle über Forderungen an die Politik hinaus „einen eigenen wertvollen Beitrag leisten“, begründete Präsident Alfons Hörmann die Schaffung des Solidarfonds. „Nur dann ist es möglich, dass der Sport auch in Zukunft seine umfangreichen und nicht verzichtbaren Leistungen für die Gesellschaft zur Verfügung stellen kann.“ Zuvor hatte der DOSB bereits an die Politik appelliert, die Rettungsmaßnahmen des Bundes im Zuge der Coronavirus-Krise auf den Sport in Deutschland auszuweiten und mittelfristig einen Notfallfonds für die Spitzenverbände, Landesortbünde, Vereine, Athleten und Trainer zu schaffen.