Mit Helfersyndrom und Leidenschaft

von Redaktion

Bayerns Teammanagerin Kathleen Krüger: „Mädchen für alles“ – mit Charme

VON HANNA RAIF

München – Der 2. Juli 2012 war ein einschneidender Tag im Leben von Kathleen Krüger. Die Nachricht, die Fußball-Deutschland in Aufruhr brachte, hatte die damals 27-Jährige zwar schon ein wenig vor der Öffentlichkeit erfahren; wie sie sich aber auf ihre eigene Situation auswirken würde, musste sie abwarten. Der 2. Juli 2012 war ein Montag, er lag sechs Wochen und zwei Tage nach dem 19. Mai 2012. Dass Christian Nerlinger als Sportdirektor nach dem verlorenen „Finale dahoam“ nicht zu halten war, war nur logisch, und wenn ein Chef gehen muss, gilt dasselbe meist auch für seine Assistentin. Anders bei Kathleen Krüger. Eine wie sie kann man nicht ziehen lassen. Die Gewissheit kam schnell.

Aus der „Assistenz Vorstand Sport“ wurde im Juli 2012 die „Teammanagerin“ beim FC Bayern. Das ist Krüger bis heute. „Mutter für alles“, sagt sie selbst. „Seele der Mannschaft“, sagen die Spieler. „Die blonde Frau an der Seitenlinie“, sagen die Fans.

Jeder kennt sie, aber kaum ein Außenstehender kennt sie wirklich. Krüger, heute 34 Jahre alt, hält sich bewusst raus aus der Öffentlichkeit. Sie macht ihren Job im Hintergrund, ihr Büro im Profi-Haus steht immer offen. Für die Spieler, ihre „Jungs“, wie sie sagt. Für alle anderen ist sie schwer zu greifen. Dass sie sich nun in einem Podcast des Vereins knapp eine Stunde lang über ihren Werdegang und ihren Job geäußert hat, lässt einen besseren Blick auf sie zu, als ihn Millionen TV-Zuschauer im Fußball-Alltag haben. Krüger gibt sich offen und reflektiert, bleibt dennoch professionell. Ob sie auch mal aus sich raus gehen kann? Da lacht sie und gibt zu: „Kontrolle abgeben – das ist ein Punkt, an dem ich arbeiten muss.“

Wer mit oder neben Kathleen Krüger arbeitet, weiß, wovon sie spricht. Denn es ist nicht nur so, dass sie als Frau in einer Männer-Domäne („dieses Klischee ist immer der Aufhänger“) sowieso auffällt. Die in Erding aufgewachsene Ex-Spielerin umgibt auch eine Aura, die in dieser Branche einmalig ist. Nach außen mag sie manchmal kalt wirken, Kollegen aber schätzen sie als verlässlich und akribisch. Bei den Spielern, sagt sie grinsend, „kann ein weibliches Gefühl das eine oder andere Mal hilfreich sein“. Es ist kein Zufall, dass das Sofa in ihrem kleinen Büro mit Blick auf die Säbener Straße in der Kernzeit zwischen 9 und 14 Uhr regelmäßig besetzt ist. Die häufigsten Gäste: Serge Gnabry („würde mich bei einer Autopanne abholen“), David Alaba und Joshua Kimmich. Aber auch alle anderen erkennt Krüger „schon am Gang“.

Einen kleinen Teil ihrer Arbeit bekommen alle Bayern-Mitarbeiter mit. Ein paar Tage vor einem Auswärtsspiel schickt Krüger den Reiseplan der Mannschaft an den großen Verteiler. Flugzeiten, Hotel, Treffpunkt, Dresscode – all das ist geregelt. Sie sagt: „Ich bin dafür da, perfekte Arbeitsbedingungen für jeden zu schaffen.“ Im Fokus stehen freilich die Spieler, sie versucht aber auch, sich in Trainerteam, Physios und den Rest des Staff hineinzuversetzen. Die Reise an den Spielort tritt Krüger dann rund einen Tag vor dem Team an. Steht der Beamer? Sind die Zimmer richtig hergerichtet? „Ich bin das Mädchen für alles“, sagt sie und erklärt: „Man braucht ein Helfersyndrom, aber auch Leidenschaft für die Sache.“

Die hat Krüger, rein genetisch bedingt. Als Kind stand sie in der Südkurve, 2003 kam sie zum FC Bayern, wo sie 33 Bundesliga-Spiele bestritt. Nach dem Ende der aktiven Karriere mit 24 organisierte sie im Frauen-Team, als Uli Hoeneß ihr den Job bei Nerlinger anbot. „Sechser im Lotto“, sagt Krüger über ihre Arbeit, die jedoch auch Opfer erfordert. Die Spieler sieht sie „öfter als meine Familie und meine Freunde“, und sie musste auch lernen, „dass ich mal eine halbe Stunde lang nicht erreichbar sein kann“.

Das kommt nicht oft vor, aber dennoch öfter als der „Worst Case“. Krüger sagt: „Ich bin nie krank.“ Die einzige Partie, die sie seit 2010 verpasst hat, war ein Freundschaftsspiel im vergangenen Jahr in Lindau. „Da hat es mich mal erwischt“, sagt sie. Der 29. Mai 2019 war das. Wieder so ein einschneidendes Datum. Die Spieler haben sie vermisst, „unsere Kathleen“, wie Rafinha sagte.

Artikel 8 von 11