Und was wird aus dem Skifahren?

von Redaktion

Zwei Szenarien für die kommende Alpinsaison – DSV-Skitest ging noch über die Bühne

VON GÜNTER KLEIN

München – Man bekommt das aus dem Skifahrer nicht raus: Am Morgen öffnet er seine Wetter-App. Und checkt, was in den Bergen los ist. Gestern Neuschnee, frisches Weiß, zehn Zentimeter, Temperaturen die kommenden Tage leicht im Minus, Sonne satt. Der Skifahrer würde in einer normalen Saison juchzen, jetzt aber flucht er: Er hat nichts von den Topbedingungen und der besonderen Atmosphäre, die das Frühjahr in den Alpen schafft. Denn Skifahren ist vorbei. Es ging vor gut zwei Wochen alles ganz schnell: Ischgl machte zu, der kommerziellste aller Skizirkusse, dann binnen zwei Tagen die restlichen Skigebiete Österreichs, gefolgt von Schweiz und Deutschland. Italien, wo das Coronavirus als erstes gewütet hatte, war eh schon dicht.

Andi König, Sicherheitsexperte beim Deutschen Ski-Verband (DSV) in Planegg, zuständig für den Freizeitsport, war bis zum letzten Betriebstag (Sonntag, 15. März) in Österreich. In Obergurgl im Ötztal. Ein wichtiger Termin: Das Material für die kommende Saison ausprobieren. Der DSV-Skitest ist der Leitfaden des Skifahrers für die kommende Saison. „Wir haben ihn auf der letzten Rille zu Ende gebracht – Glück gehabt“, sagt Andi König, „danach mussten wir das Skigebiet fluchtartig verlassen.“

König begab sich, da aus einem Hochrisikogebiet kommend, zwei Wochen in freiwillige häusliche Quarantäne, nun sitzt er wieder am Arbeitsplatz im Haus des Ski, wo auch viele ins Homeoffice gewechselt sind und nun im Zwei-Schichten-Betrieb arbeiten. Der Skisport ist vorerst noch halbwegs glimpflich davongekommen, denn die Saison war ja großteils gelaufen. Je nach Skigebiet fehlen zwei bis fünf Wochen Betriebszeit, zwischen Ende März und dem dritten April-Wochenende wären die regulären Schließungen erfolgt, auf den Tiroler Gletschern noch bis in den Mai hinein gefahren worden.

Der DSV wird nun mit Fragen konfrontiert: Was wird werden aus der liebsten Winterbeschäftigung speziell der Oberbayern und der Wenigstens-eine-Woche-im-Jahr-Passion vieler Deutscher? Denn dass die Berge, der Ort, an dem man sich über irdischen Problemen wähnt, zu den Treibern in Sachen Virenverbreitung zählten, sorgt für Unsicherheit.

Zwei Szenarien hat Andi König vor Augen. Das eine, das positive: „Dass die Skifahrer heiß und lechzend in den kommenden Winter gehen und Gas geben.“ Der DSV-Sicherheitsexperte sieht jedoch auch das andere: „Man ist verängstigt und weiß nicht, ob man mit vielen anderen Menschen noch in der Gondel sitzen kann.“ Überhaupt gibt es viele Variablen, die die Prognose für 2020/21 beeinflussen werden: Wird es einen Impfstoff geben? Wie werden die Skifahrer wirtschaftlich durch die Krise kommen, werden sie als Sparmaßnahme die nächste Saison im teuer gewordenen Alpinsport (Lifttagespässe kosten vielerorts über 50 Euro) auslassen? Und immer die große Unbekannte: Wie wird die Schneelage sein? „Für viele niedrig gelegene Skigebiete war es keine gute Saison“, sagt Andi König, „in hohen Lagen konnte man aber gut fahren. Da haben die Orte von den Schneefällen im November und Dezember gezehrt.“

Herr des Verfahrens sind der Ski- und mit ihm der Snowboardsport selbst nicht. „Alles steht und fällt mit dem Pflichtbewusstsein der Bevölkerung“, so König. Was der Skisport von sich aus tun kann? „Wir müssen den Sportfachhandel unterstützen“, findet König. Und auch auf die Befindlichkeiten der Tourismusbranche sollte man achten. Die Unterkünfte in den Bergen müssen ja irgendwie durch die Krise kommen.

Es ist viel zu tun für den DSV im Leistungs- wie im Breitensportbereich. Auch der Sommer ist für manche Bereiche Schneezeit. Deshalb herrscht in der Szene Spannung, wann der erste Gletscher wieder aufmacht. Der in Hintertux, eigentlich ganzjährig geöffnet, vermeldet auf seiner Homepage, er warte auf „grünes Licht“.

Artikel 1 von 11