Wimbledon-Absage

Erneuter Doppelfehler vom Bobbele

von Redaktion

DANIEL MÜKSCH

Es ist das passiert, was alle erwartet haben: Das prestigeträchtigste Tennisturnier der Welt kapituliert vor dem Coronavirus. Und zwar auf ganzer Linie. Wimbledon-Absage für 2020. Gespielt wird im Londoner Stadtteil erst wieder im nächsten Jahr. Der empfindliche Rasen lässt einen späteren Termin 2020 nicht zu. Eine konsequente und logische Entscheidung. Nicht für Boris Becker.

Kurz bevor der All England Lawn Tennis Club die Entscheidung verkündete, betrat der dreifache Wimbledon-Sieger die (Twitter)-Bühne und forderte, auf eine Absage zu verzichten. „Geduld ist eine Tugend“, untermauerte der Wahl-Londoner sein Statement. Nun ist Becker in den letzten Jahren (Jahrzehnten) nicht mit wissenschaftlichen Fakten zum Klimawandel oder argumentativ schlüssigen Erklärungen zur Weltpolitik aufgefallen. Eher mit Fliegenklatschen auf dem Kopf oder Beziehungsproblemen. Man hatte sich an Bobbele, das Boulevard-Maskottchen, gewöhnt. Schade für den Tennisfan, aber irgendwie auch unterhaltsam.

Wären da nicht die Momente, in denen die ehemalige Nummer 1 der Welt durchblicken lässt, dass sie sehr wohl noch im Sportteil der Zeitungen stattfinden kann – nicht nur in Bunte oder Gala. Wenn er sich auf seine Kernkompetenz, den Tennissport konzentriert. So geschehen als Trainer von Novak Djokovic. Den Serben führte Becker aus dem mentalen Tief zurück auf den Tennis-Thron. Oder auch als starker TV-Experte bei Eurosport.

Bobbele, die nach Aufmerksamkeit gierende Boulevard-Figur und Boris, die ebenso spannende wie kompetente Tennis-Legende. Beide Personen schwirren durch die Welt – und man hat sich damit abgefunden.

Aber: Mit seinen Äußerungen zur Wimbledon-Absage speziell und der Pandemie allgemein („Hysterie“) färbt der peinliche Boris stark auf den kompetenten Experten ab. Lässt die Legende verblassen. Mal wieder.

Damit seine Glanztaten neben dem Twitter-Stuss nicht vollends in Vergessenheit geraten, hilft die Ausnahmesituation. Mangels aktueller Alternativen zeigt der Pay-TV Sender Sky die besten Schläge des 52-Jährigen. Sehenswert. Wem das nicht reicht, der sollte bei Youtube nach „Boris Becker best of“ suchen. Beste Unterhaltung.

Aber bitte nur Videos anklicken, auf denen auch ein Tennisplatz zu sehen ist.

Daniel.Mueksch@ovb.net

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