Wer will ihn, wer nimmt ihn?

von Redaktion

Bayern und Barca planen nicht mit Coutinho – Premier League einzige Option?

VON HANNA RAIF

München – Knapp drei Jahre ist es her, da saß Jürgen Klopp auf einem Podium in einem Münchner Hotel. Der Trainer des FC Liverpool war als Gast eines Sponsoren-Turniers in München, und er bekam die Frage gestellt, die damals Hochkonjunktur hatte: Bleibt Philippe Coutinho in Liverpool? Klopps Antwort: „Er ist unverkäuflich.“ Punkt. Die deutschen Journalisten stutzten. Man hatte Klopp in seiner Bundesliga-Zeit selten so schmallippig erlebt.

Es kam bekanntlich anders. Kein halbes Jahr nach diesen Worten wurde Coutinho für mehr als 160 Millionen Euro nach Barcelona verkauft, eineinhalb Jahre später nach München verliehen. Dort wollte er endlich wieder glücklich werden. Was bisher nicht gelang – und wohl auch nicht mehr gelingen wird.

Die Corona-Krise trifft den gesamten Verein hart, sie hat Einflüsse auf nahezu alles und jeden beim FC Bayern. Und trotzdem ist Coutinho unter den Betroffenen noch mal ein besonders schwerer Fall. Denn jeder Tag, an dem nicht gespielt werden kann, ist für den 27-Jährigen ein verlorener. Der Vertrag, den er in München unterschrieben hat, ist als Leihe bis zum 30. Juni datiert, danach könnten die Bayern eine Kaufoption von rund 120 Millionen Euro ziehen. Bisher hat Coutinho die Bosse nicht überzeugt, und aktuell kann er sie nicht überzeugen. Dass die Summe im Sommer gezahlt wird, gilt Stand heute als ausgeschlossen.

Schon in der Winterpause hatte Trainer Hansi Flick davon gesprochen, dass Coutinho noch nicht gut genug integriert sei. Dieses Gefühl wurde man bis zum Corona-Stopp der Wettbewerbe nicht gänzlich los. Klar gab es sie, die Partien, in denen der Offensivspieler brillierte. Unter anderem beim 6:1 in Hoffenheim steuerte er zwei Tore bei – die aufgrund des späteren Nichtangriffs-Paktes aber nur den wenigsten im Gedächtnis blieben. Überhaupt wirkt es immer wieder so, als sei Coutinho in München vom Pech verfolgt. Vorläufiger Negativ-Höhepunkt: Die Corona-Krise bremst ihn aus, wo er gerade so etwas wie einen Stammplatz erobert hatte. Weil Robert Lewandowski verletzt fehlte, witterte Coutinho seine Chance, endlich zu zeigen, was er kann. Nun ist er im Homeoffice.

Man darf davon ausgehen, dass selbst überragende Spiele die Clubchefs in München nicht mehr umgestimmt hätten. Denn das Gesamtpaket – vor der Krise ging es um 120 Mio. Ablöse und ein Gehalt von rund 13 Mio. Euro netto – ist viel zu teuer. Sollte man so tief in die Tasche greifen, dann eher für Leroy Sané oder Kai Havertz, da war man sich in der Vorstandsebene einig. Coutinho wollte die heiße Saisonphase daher auch dafür nutzen, sich für andere Vereine interessant zu machen. Denn selbst beim FC Barcelona, wo er ja eigentlich bis 2023 gebunden ist, plant man nicht mehr mit ihm. Einen überteuerten Superstar kann sich im Moment kein europäischer Fußballclub leisten.

In Barcelona wurde Coutinho vor wenigen Tagen in die Flop-Elf des Jahrtausends gewählt, sein Ruf in Spanien ist nicht gut. Das Trikot mit der Nummer 7 soll demnächst an Antoine Griezmann gehen, der bisher die 17 trägt. Die Katalanen werden Coutinho zurücknehmen müssen, ihn aber dann definitiv zum Verkauf anbieten. Sie können sich schon auf ein Verlust-Geschäft einstellen.

Ein Bericht, wonach Barca die Transfersumme auf 40 Millionen Euro senken wollte, wurde vor wenigen Wochen schnell dementiert. Eine dreistellige Summe aber wird man für Coutinho in diesem Sommer nicht bekommen. Auch die sonst so finanzstarken Clubs aus England sind gebeutelt. Interesse sollen Chelsea, Arsenal, Manchester United und Tottenham Hotspur haben. Mit den Spurs war Coutinho sich übrigens angeblich schon im vergangenen Sommer einig. Der Wechsel scheiterte, Bayern bekam den Zuschlag als zweite Wahl.

Als sicher gilt nur eines: Liverpool und Klopp wollen Coutinho nicht zurück. Den Status „unverkäuflich“ hat er sich in den vergangenen drei Jahren verspielt.

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