München – Fast 12 000 Vereine mit 4,6 Millionen Mitgliedern unter dem Dach des Bayerischen Landessportverbandes (BLSV) sind wegen der Corona-Krise zum Stillstand verurteilt. Auch in München stehen viele Clubs vor einer ungewissen Zukunft. Dies betrifft auch Bundesligisten mit großer Historie. So feiert der Münchner Sportclub 2021 das 125-jährige Jubiläum. In Schwabing gegründet, schrieben die Hockey- und Tennisspieler eine ungewöhnliche Erfolgsstory. Kaum zu glauben, sogar der ruhmreiche FC Bayern war zeitweise „Untermieter“ beim MSC. Der Trophäenschrank ist prall gefüllt mit olympischen Medaillen, Welt- und Europameisterschaften, sowie mit nationalen Titeln. Zweimal ging der Europacup an den seit Jahren in der Lerchenau beheimateten Club mit 1000 Mitgliedern.
„Jetzt stehen wir vor einer der größten Herausforderungen für den Club, im sportlichen und wirtschaftlichen Bereich“, räumt Vorstand Michael Nahr ein. Mit einer spektakulären Crowdfunding-Aktion hatte der MSC erst kürzlich das millionenschwere Kunstrasen-Projekt realisiert. Auch die Einnahmen aus der Vermietung der neuen Tennishalle sollten frisches Geld in die Clubkasse spülen. Doch seit dem 17. März herrscht auf dem Gelände an der Eberwurstraße gähnende Leere, der gesamte Sportbetrieb ist eingestellt.
„Wir mussten auch Kurzarbeit für die Trainer und Mitarbeiter beantragen“, erzählt der Vorstand, der versucht, mit Solidarität den größten finanziellen Schaden abzuwenden. „Besonders schwierig ist es für unsere freiberuflichen Tennistrainer, viele unserer treuen Sponsoren und Unterstützer bangen derzeit um ihre wirtschaftliche Existenz, aber für unsere Projekte und für die beiden Bundesliga-Mannschaften brauchen wir natürlich entsprechende Einnahmen.“ Im Hockeysport befinden sich die Gagen im Minimalbereich, auch für die Nationalspieler. „Ein Trumpf ist bei uns das soziale Umfeld, für viele Generationen ist der MSC ein Stück Heimat, das ist die Schließung des Clublokales doppelt bitter“, betont der Vorsitzende.
Am Samstag sollte die Bundesliga-Saison mit dem Heimspiel der Frauen gegen den Mannheimer HC fortsetzt werden. Der Deutsche Hockey-Bund hat bis Ende April alle Punktrunden ausgesetzt. Am 2. Mai könnte es für die Münchnerinnen auf dem Kunstrasenplatz in der Lerchenau mit der Partie gegen Club an der Alster Hamburg weitergehen. „Das steht natürlich noch in den Sternen“, sagt Michael Nahr, der hofft, dass die beiden Bundesliga-Trainer André Schriever (Frauen) und Patrick Fritsche (Männer) die zur Untätigkeit verurteilen Akteure bei Laune halten können. „In unsere langen Geschichte haben wir schon viele Herausforderungen gemeistert. Auch diesmal wird der MSC die Krise überstehen“, hofft Nahr.