Frauenschwarm Scholl: „Ich lasse mich wirken“

von Redaktion

Kein Livesport im Fernsehen, Nun ja, leider. aber nutzen wir doch die Zeit, mal (wieder) ein paar Sportfilme anzuschauen. Unsere Redakteure geben gerne Empfehlungen.

Die Fußball-Generation, die um 1980 das Licht der Welt erblickte, glaubt über Mehmet Scholl viel bis alles zu wissen. Sein Starschnitt aus der „Bravo Sport“ hing in den Neunzigern in fast jedem Kinderzimmer. Die Älteren waren fasziniert von seinen Tricks und seiner Technik auf dem Rasen, haderten aber zugleich mit der Verletzungsanfälligkeit des Bayern-Stars. Wie es aber in dem Filigran-Techniker aussieht, wusste kaum jemand. Um seinen Seele baute der heute 49-Jährige ein Schutzbild aus Ironie und Sarkasmus.

In der Dokumentation „Frei: Gespielt“ aus dem Jahr 2007 öffnet sich der Mensch Scholl. Der gebürtige Karlsruher erzählt ergreifend, wie schwer es für ihn gewesen ist, nach der Scheidung seiner Eltern ohne leiblichen Vater aufzuwachsen und wie ihn dann sein Stiefvater Hermann geprägt hat. Besonders spannend beschreibt die ehemalige Nummer 7 der Bayern, wie ihn sein größter sportlicher Erfolg, der EM-Triumph 1996, innerlich zerrissen hat, weil er sich gleichzeitig von seiner ersten Ehefrau Susanne getrennt hat. Sportliche Höhenflüge treffen auf private Tiefschläge. Eine brutale Konstellation, die zahlreiche Profisportler kennen, allerdings ungern darüber sprechen. Scholl nicht. Er öffnet sich. Ebenso erklärt er sein einzigartiges Verhältnis zu Uli Hoeneß, der den Freigeist auf dem Platz immer unterstützt hat und als eine Art Sohn emotional adoptiert hat.

Bei allem Ernst kommt der Schollsche Humor nicht zu kurz. Zum Beispiel als er von einem Mykonos-Urlaub berichtet, in dem er es als Single krachen lassen wollte. „Nun lass ich mich als Fußball-Star mal wirken“, so Scholl über seine Strategie von damals. Nur leider fliegen die Damen auf seinen großen muskelbepackten Kumpel und Mitreisenden. Spätestens da lernt der Teenie-Schwarm: Erfolg ist relativ. Auf und neben Platz. DANIEL MÜKSCH

Artikel 5 von 11