Am Samstagabend lief auch das Finale von „Deutschland sucht den Superstar“ (sorry, aber was tun, wenn es Dortmund – Bayern nicht gibt?), es war eine Liveshow ohne Studiozuschauer und unter den gültigen Corona-Beschränkungen. Wir sind einige Male zusammengezuckt, wenn Kandidaten in banger Erwartung des Weiterkommens einander an den Händen fassten oder sich erleichtert/tröstend umarmten. Aber Verständnis dafür: Das steckt ein Leben lang in einem drin. So wie im Fußball eben auch die Nähe: mal bedrohlich, mal fürsorglich.
Wie wird das alles in einem Monat sein, Anfang Mai, wenn 1. und 2. Bundesliga wieder einsteigen wollen in das Geschäft, das ihre Clubs zum Leben brauchen? Dass es allenfalls Geisterspiele werden sein können, ist mittlerweile ja schon akzeptiert – nach dem Motto: Besser ein bisschen was als nichts. Doch wird es verantwortlich sein, dieses Bisschen durchzuziehen?
In einem sonst nicht sonderlich guten ZDF-Sportstudio war der Auftritt des Virologen Alexander Kekulé erhellend. Er legte dar: Aus medizinischer Sicht wäre Fußball machbar und zu verantworten. Die Spieler gehören nicht zur klassischen Gruppe der Gefährdeten, man müsste sie eben in einer Art Dauerschleife auf das Virus testen und sie plus ihr berufliches Umfeld in einer Art Spezialquarantäne halten. Denkbar auch, dass man ihnen anraten würde, mit Atemschutzmaske zu spielen.
Ob wir mit dieser Optik klarkämen? Nach ein paar Witzen (Mundschutz- statt Trikottausch) würde sie uns wohl eher abstoßen. Vieles andere aber auch: Eine ausgedehnte Quarantäne, unter die Spieler, dann ohne physische Bindungen zu ihren Familien, gestellt würden, wäre arbeitsrechtlich nicht durchsetzbar, bedürfte der Freiwilligkeit aller Beteiligter (und der freie Wille ist unter Gruppenzwang dann halt nicht mehr geschützt). Vor allem aber: Der Profifußball würde bis Saisonende 20 000 Tests beanspruchen, ein Fünftel dessen, was das Land derzeit an einem Tag bewältigen kann. Mit welcher Legitimation? Und wie würde sich das Binnenverhältnis der Profis zum Amateurfußball entwickeln, dem diese Möglichkeiten gewiss nicht offenstehen werden?
Die Entscheidung, die der Fußball zu treffen hat, ist weit größer als eine nur wirtschaftliche, sportliche, medizinische. Es ist eine gesellschaftliche. Und sie wird über jede Tabelle und Bilanz hinaus nachwirken.
Guenter.Klein@ovb.net