Auch der FC Bayern hat Geisterspiel-Erfahrung. September 2014, Gruppenphase der Champions League. Die Münchner müssen bei ZSKA Moskau antreten, das von der UEFA für rassistische Entgleisungen seiner Fans mit Spielen unter Ausschluss der Öffentlichkeit bestraft wurde. Das hieß: Pro teilnehmendem Verein waren nur 75 Mitglieder im Stadion zugelassen.
So ganz hielt vor allem die ZSKA-Seite sich nicht daran. 500 bis 1000 Sponsoren und VIPs waren letztlich in der Khimki-Arena, wohin das Match kurzfristig verlegt worden war. Der FC Bayern brachte eigentlich niemanden mit, ein organisierter Trip über das eigene Reisebüro wurde gar nicht erst angeboten. Auch die Journalisten reisten selbst an. Linienflug, Metro – und dann das Hotel suchen. Zurückfliegen mit der Mannschaft war aber möglich – nach dem Spiel machte sich der FC Bayern zügig davon, um noch zu Hause landen zu können vor Airport-Nachtruhe. Über das Spiel gab es wenig zu schreiben: 1:0-Sieg der Bayern, Torschütze Thomas Müller. Die Spieler sagten, es sei schwer gewesen, in einem fast leeren Stadion auf Wettkampfmodus zu schalten.
Helden des Abends waren die 50 Fans des FC Bayern, die trotz aller Einschränkungen nach Moskau gekommen waren. Am Nachmittag sahen sie sich die der Öffentlichkeit zugängliche Partie der Youth League an; sie mussten dabei aufpassen, nicht russischen Hooligans in die Hände zu fallen. Das Champions-League-Match verfolgten sie aus luftiger Höhe – aus dem 18. Stock eines Hochhauses neben der Arena. Sie hatten sich für die paar Stunden in eine Wohnung eingemietet. Bundesweite Anerkennung für die kreative Idee der Fan-Vereinigung „Club Nr. 12“. GÜNTER KLEIN