Arbeiten in Kleingruppen

Ein Hoch auf die Trainingstüftler

von Redaktion

GÜNTER KLEIN

„Elf Freunde sollt ihr sein, wollt Spiele ihr gewinnen“ – schöner alter Fußballsatz, aber natürlich längst umgewandelt in „Elf Berufskollegen sollt ihr sein“ oder „Elf Angestellte in derselben Fußball-AG sollt ihr sein“. Wobei es auch Trainer gibt, denen die Gemeinschaft der Elf nicht genug ist. Sie rechnen die drei Einwechselspieler dazu (Joachim Löw adelte sie 2014 als „Spezialkräfte“) oder sagen, dass die Spieler, die nicht drankommen, genauso zum Team gehören, da sie verantwortlich sind, das Niveau des Trainings hochzuhalten und gute Laune zu verbreiten. Elf, vierzehn, zwanzig, sechsundzwanzig – der Fußball als große Gemeinschaft.

Außer jetzt gerade. Die Profivereine steigen – hoffend, dass es im Mai weitergeht – wieder ins Training ein. Wobei: Es darf kein Training im herkömmlichen Sinne sein. Nichts, wo zwei Viererketten das Verschieben üben. Schon das wäre ein unerlaubter Massenauflauf (vom Spiel A- gegen B-Auswahl auf Tore mit Geschrei, Gespucke und Grätschen ganz zu schweigen). Selbst das in Pep Guardiolas Mannschaften ausführlich praktizierte Fünf-gegen-zwei-Rundspielchen würde derzeit bußgeldpflichtig sein – und das Ohrläppchen-Schnalzen bei dem der Spieler, der den Ball verloren hat, bestraft wird, wäre gezielte Körperverletzung.

Das Zauberwort lautet „Kleingruppentraining“. Und die ideale Kleingruppe bilden, wie der Staat und die Länder das derzeit definieren, zwei Leute. Zum Beispiel das Innenverteidigerpaar, das nun das Austauschen schuldzuweisender Blicke einstudieren kann. Was auch geht: Einer flankt, der andere schießt oder köpft ein (ohne Torwart, der wäre der eine Spieler zu viel) – wenigstens fürs Selbstbewusstsein des Stürmers eine gute Sache, so er denn den leeren Kasten auch trifft. Ein dritter oder gar vierter Spieler darf nur dazu, wenn die besagten Akteure einander „Bro“ oder „Bruder“ nennen – denn dann müssen sie ja verwandt sein. Im Fußball gibt’s viele Bros.

Klar: Diese Übungsformen bringen keine Mannschaft weiter. Momentan geht es wohl nur darum, das Gefühl für Ball und Bewegung nicht zu verlieren. Dafür böte sich ein spielerischer Hindernisparcours an, durch den der Ball zu führen ist. Wettkampfanreiz: Der schnellste darf sich an der Desinfektionsstation belohnen.

Jedenfalls: Es lebe der Trainer, der ein guter Sportwissenschaftler ist und neue Formen austüftelt. Oder einer, der die Fantasie anregen kann – wie Fritz Langner selig, Ende der 60er-Jahre Trainer bei den Münchner Löwen. Von ihm blieb ein großer Satz für die Ewigkeit: „Ihr fünf spielt jetzt vier gegen drei.“

Guenter.Klein@ovb.net

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