München – Die Corona-Krise zwingt den Fußball seit drei Wochen zum Stillstand. Ob im Mai (vor leeren Rängen) tatsächlich wieder gespielt werden kann, ist abhängig vom Verlauf der Neuinfektionen. „Wenn der Zeitpunkt da ist, werden wir bereit sein“, sagt DFL-Boss Christian Seifert. „Ohne Zuversicht geht es in diesen Tagen nicht so gut, in keiner Branche, in keinem Haushalt.“
Vor der Zuversicht kommt die Einsicht. Bei fehlenden Umsätzen mangels TV-Zahlungen und Ticket-Einnahmen gilt es an der Schraube der Fixkosten zu drehen. Größer Posten: die Gage der Spieler. Borussia Mönchengladbach war vor zwei Wochen der erste deutsche Proficlub, der einen teilweisen Gehaltsverzicht der Profis bekannt gab, zahlreiche Vereine sind gefolgt, darunter Hertha BSC. „Mannschaft, Trainerteam, Funktionsteam, Geschäftsleitung, aber auch leitende Mitarbeiter werden bis zum Ende der regulären Saison am 30. Juni auf Teile ihres Gehalts verzichten“, erklärte Manager Michael Preetz, der die Einsparungen in einem „ordentlichen siebenstelligen Bereich“ ansiedelt.
Von welchen Beträgen konkret die Rede ist, lässt ein Blick auf die veröffentlichten Personalkosten der Clubs erahnen. Die Spanne in der Bundesliga ist beträchtlich. Von jährlich gut 20 Millionen Euro beim SC Paderborn bis hin zu den über 320 Millionen Euro beim FC Bayern öffnet sich die Schere. Im jüngsten Report des Sporting Intelligence Survey von Ende 2019 ist von einem Brutto-Durchschnittsgehalt in Höhe von 7,34 Millionen Euro (Bayern) die Rede, es folgen Dortmund (4,52) und Leverkusen (2,82). Am Ende der Tabelle stehen Union Berlin (560 000) und eben Paderborn mit durchschnittlich 340 000 Euro.
Ähnlich ist die Spanne in der Zweiten Liga, wo es durchschnittlich ein Viertel bis ein Drittel der Bundesliga-Gehälter zu verdienen gibt. Spitzensaläre wie das von Ex-Nationalstürmer Mario Gomez, der beim VfB Stuttgart auf jährlich 4,5 Millionen Euro kommen soll, sind hier die absolute Ausnahme.
Eine Etage tiefer stellt sich die Lage mangels großer TV-Gelder noch mal anders dar. Während für die Zweite Liga bei Beendigung der Saison über 230 Millionen Euro veranschlagt sind, gibt es in der Dritten Liga für die 20 Clubs nur 24 Millionen. „Die Gehälter gehen hier von 2500 Euro brutto oder darunter bis hoch zu 40 000 im Monat“, sagt ein Berater, der Spieler von der Bundesliga bis zur Oberliga betreut. Auch in den Regionalligen und den fünftklassigen Oberligen lässt sich je nach Standort und Sponsoren/Mäzenen ordentlich (dazu)verdienen. Vollprofis sind hier die absolute Ausnahme.
Die Abhängigkeit von Zuschauereinnahmen zwingt etliche unterklassige Vereine zur Kurzarbeit. Auch die Frage nach einer Lockerung von 50+1 stellt sich angesichts der existenziellen Probleme, die eine Ausdehnung der Geisterspiel-Phase mit sich brächte. Michael Scharold, Finanzchef des TSV 1860, hatte Spiele ohne Zuschauer unlängst noch als „Worst Case“ bezeichnet. Seifert indes will das Thema 50+1 noch nicht antasten. „Jetzt die 50+1-Regel aufzuheben – unabhängig davon, ob das überhaupt ginge, und bisher hat noch niemand diesen Antrag gestellt – ich weiß nicht, ob das der richtige Ansatz wäre“, sagte der DFL-Boss gegenüber Sport1: „Genau in dieser Phase über Investoren-Modelle zu sprechen, ist vielleicht nicht der richtige Ansatz.“ LUDWIG KRAMMER