München – 4500 Vereine, 14 000 ausfallende Spiele pro Wochenende. Um dem unterklassigen Fußball in Bayern den Weg aus der Corona-Krise zu weisen, hat sich der BFV am Freitag zu Wort gemeldet. Basierend auf einem wochenlangen Dialog mit Vereinsvertretern und einer in Auftrag gegebenen Umfrage hat der Vorstand um Rainer Koch ein Krisenmodell entwickelt, für das die BFV-Spitze bis Sonntag um Zustimmung wirbt. Den wesentlichsten Punkt betonte Koch mehrfach bei einer 90-minütigen Videokonferenz: „Wir wollen möglichst keine Entscheidungen am grünen Tisch, sondern auf dem grünen Rasen.“
Der Vorschlag des BFV-Vorstands lautet daher: keine Wiederaufnahme des Spielbetriebs vor dem 31. August – Fortsetzung der Ligen frühestens nach dem 1. September. Weil eine Annullierung der unterbrochenen Spielzeiten zu „unabsehbaren Rechtsstreitigkeiten“ führen könnte, die auch die nachfolgenden Jahre belasten könnten. „Es reicht, wenn wir uns eine Saison zerschießen“, sagt Koch mit Blick auf Österreich und England, wo der harte Abbruch des Spielbetriebs unschöne Folgen hatte.
Nach Aussage von Koch gibt es „keine Alternative“ zu dem Vorschlag, der im Vorstand einstimmig gefasst worden sei. Ein Abbruch oder eine Annullierung der Saison würde zu einem Haftungsrisiko führen, das keiner in der BFV-Spitze auf sich nehmen möchte. Durch eine „Corona-Pause“ bis September soll nun Planungssicherheit über die Sommermonate geschaffen werden, wobei Koch betont: Es könne auch Oktober, November oder gar März werden, bis wieder ein geregelter Spielbetrieb möglich ist. „Wir haben es mit großer Unsicherheit zu tun“, betonte er: „Von zehn Virologen haben acht unterschiedliche Meinungen. Das kann man ja jeden Abend in den Talkshows beobachten.“
Die Hoffnung des BFV ist groß, ab dem 1. Juli 2021 wieder auf „Fußball im üblichen Rahmen“ umschalten zu können. Wie mit der Saison 2020/21 verfahren werde, hängt laut Koch davon ab, inwieweit die fortzusetzende Saison 2019/20 ins neue Jahr hineinreichen wird. Denkbar sind für ihn „1000 Modelle“, die allesamt besser seien als „übervolle“ Ligen, weil sich Vereine reinklagen oder per Verbandsbeschluss von einer konfliktvermeidenden Auf- bzw. Abstiegsregelung profitieren. „Es macht keinen Spaß, wenn danach in einer Saison sechs Vereine absteigen müssen“, sagte Jürgen Igelsbacher, der Geschäftsführer des BFV.
Für Mittwoch, 18 Uhr, ist eine Vorstandssitzung geplant, auf der eine endgültige Entscheidung getroffen werden soll. Koch skizzierte auch den gemäß der Vorgespräche unwahrscheinlichen Fall, dass die Vereine die Empfehlung des BFV-Vorstands ablehnen. Dann, sagte er, müsse ein Außerordentlicher Verbandstag einberufen werden.
Wichtig: Der Verbandsvorschlag gilt nur für die Erwachsenenligen (Männer, Frauen) – von der Bayernliga abwärts. Der Jugendbereich müsse individueller betrachtet werden, sagte Koch. Auch was die Regionalliga Bayern angeht, ist noch keine Lösung spruchreif. Klar sei nur, dass auch die vierthöchste Spielklasse bis zum Ende der Sommerferien pausiere. Alles Weitere werde gemeinsam mit dem DFB entschieden, weil ja auch noch völlig unklar ist, ob und wie die 3. Liga fortgeführt wird – und wie viele Vereine eines Tages von oben runterkommen.
Nicht nur einmal betonte Koch, dass der BFV bei seinen Entscheidungen abhängig sei von Behörden, Politikern und Virologen. „Echten Ligabetrieb wird es erst geben, wenn alle wollen und auch dürfen“, erklärte er.