München – Das Foto: vorbildlich. Als Alphonso Davies gestern in der Geschäftsstelle des FC Bayern den Stift ansetzte, demonstrierten die hohen Herren des FC Bayern, dass sie die Corona-Vorschriften ernst nehmen. Mit Masken und in Abstand hatten sich Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge und Sportdirektor Hasan Salihamidzic neben dem 19-Jährigen platziert, noch eineinhalb Meter weiter saß Vorstand Oliver Kahn. Für die obligatorische Aufnahme zu einer Vertragsverlängerung musste die Kamera auf Weitwinkel gestellt werden. Ein Schuss, der lange als Symbolbild verfügbar sein wird.
Alphonso Davies aber, da kann man sich sicher sein, wird den Moment so oder so nicht vergessen. Denn auch wenn es sich seit Februar und seiner überragenden Leistung im Viertelfinal-Hinspiel der Champions League gegen den FC Chelsea angedeutet hatte: Die vorzeitige Verlängerung bis 2025 ist für den Kanadier ein echter Ritterschlag. Freilich ist so ein neues Papier – das ursprüngliche lief bis 2023 – auch dazu da, Bezüge anzupassen. Davies darf sich also nicht nur über einen längeren, sondern auch über einen deutlich besseren Kontrakt freuen.
„Der FC Bayern ist dafür bekannt, dass er Leistungen belohnt“, hatte Präsident Herbert Hainer schon Anfang März angekündigt. Rummenigge fügte nun hinzu: „Alphonso hat beim FC Bayern eine sehr gute Entwicklung genommen. Er hat sich diese Vertragsverlängerung mit seinen überzeugenden Leistungen verdient.“ Seit Oktober ist Davies aus der Startelf nicht mehr wegzudenken, vertrat den in die Innenverteidigung versetzten David Alaba teils überragend und erntete regelmäßig Szenenapplaus in der Allianz Arena. In 31 Pflichtspieleinsätzen gelangen ihm ein Tor und acht Vorlagen. Die Bayern wollen, dass es so weitergeht. Es sei daher die Aufgabe von „allen, dass Alphonso die nächsten Entwicklungsschritte genauso konzentriert und mutig setzt wie bisher“, sagte Salihamidzic. „Großes Entwicklungspotenzial“ sieht Kahn, der prognostizierte: „Wer bereits in so jungen Jahren beim FC Bayern konstant auf Top-Niveau spielen kann, kann eine große Karriere vor sich haben.“
Was alle betonten: Dass Davies auch neben dem Platz eine Bereicherung ist. Seine Art kommt in der Mannschaft gut an, er hat weder Allüren noch zu viel Respekt. An den hohen Erwartungen scheint Davies zu wachsen. In den sozialen Medien hat er sich mit witzigen Videos viele Freunde gemacht. Abseits der Säbener Straße vernetzt er sich proaktiv mit Gleichaltrigen. Natürlich ist auch er manchmal einsam, das Leben in München ist anders als in Kanada. Aber anders als Breno oder Renato Sanches, beide einst als Wunderkinder verpflichtet, meistert er es gut.
Sein nächstes Ziel ist es, auch in der Offensive für Furore zu sorgen, denn eigentlich ist die Position als Linksverteidiger nicht seine liebste. Über allem aber steht der Erfolg. Sein Versprechen: „Ich möchte so viele Titel wie möglich mit diesem Verein holen.“ Er lächelte. Für ein zweites Foto nahm er die Maske ab. hlr