von Redaktion

VON DANIEL MÜKSCH

München – Oberbayerische Ordnung trifft auf amerikanische Gelassenheit. So wirkt das virtuelle Kaffeekränzchen auf Instagram zwischen Bayern-Idol Thomas Müller und Tennis-Star Alexander Zverev. Bei Müller liegen die Haare akkurat, die Haltung ist vorbildlich rückenschonend gerade auf der eigenen Terrasse, und der Trainingsanzug seines Arbeitgebers leuchtet fleckenfrei in die Kamera. Zverevs Frisur gleicht dagegen eher einem zerzausten Vogelnest, während er sich auf dem Sofa in seinem Haus in Florida herumlümmelt und die Reste des letzten Essens noch auf seinem T-Shirt zu bewundern sind. Doch bei ihrem Plausch über 8000 Kilometer Entfernung bleibt es bei äußerlichen Unterschieden. Sie sind vielmehr Seelenverwandte. Zwei Sportler, die Corona mitten in der Saison gestoppt hat.

Besonders für Thomas Müller kommt diese Zwangspause ungelegen. „Als Sportler spürt man, wenn etwas Großes möglich ist. Und dieses Gefühl hatte ich, kurz bevor alles gestoppt wurde“, erklärt der Stürmer. Ähnlich ergeht es seinem Kollegen mit dem Schläger in der Hand: „Ich spüre, wie ich gerade sehr gutes Tennis spiele. Ich fühle mich gut. Da fragt man sich natürlich schon: Warum kann jetzt kein Turnier sein? Besonders mein Aufschlag kommt momentan hervorragend“, so Zverev. Die jetzige Situation? Für die aktuelle Nummer 7 der Welt erscheint sie länger als jede Vorbereitung. „Zu trainieren, ohne zu wissen, wofür, ist das Schwierigste“, sagt Zverev. Müller pflichtet ihm bei. „Man sitzt so ein bisschen auf glühenden Kohlen, man weiß nicht, wann es weitergeht. Aber seitdem wir wieder mit dem Ball trainieren können, ist es besser“, sagt er.

Vor den Lockerungen für die Bayern-Profis konnte Müller mit seinen Kollegen ausschließlich Video-Training absolvieren. Auch daran musste sich der 30-Jährige gewöhnen. „Unser Fitness-Trainer macht ja funktionelles Training“, erklärt Müller dazu. „Wir haben das mit ihm vor zwei, drei Jahren angefangen. Am Anfang haben wir auch gedacht: ,Was macht jetzt der da für Übungen vor? Wir sind doch jetzt nicht im Rentner-Yoga-Pilates-Kurs.’ Aber danach hat es geglüht, das war unglaublich.“

Davon konnte sich sein Gesprächspartner wenige Stunden zuvor persönlich überzeugen. Zverev war Überraschungsgast im Video-Fitnesstraining des Rekordmeisters. „Ich mache zwar viel Fitness, aber viele Übungen kannte ich nicht. War bestimmt kein schöner Anblick“, mutmaßt Zverev. „Stimmt“, unterstützt der bayerische Spaßvogel die Selbsteinschätzung auf der anderen Seite des Atlantiks.

Der Plausch mit dem Fußball-Kollegen ist kein erstmaliges Beschnuppern. Müller und Zverev kennen sich bereits länger. Als das Reisen für Sportstars noch das Selbstverständlichste der Welt war, fungierte Zverev im Rothof in Bogenhausen als Schiedsrichter. Hier duellierte sich Thomas Müller mit Mats Hummels im Juni 2019 auf dem Tennisplatz.

Nach hartem Kampf triumphierte Müller dank seiner Laufstärke gegen den BVB-Star. Was Hummels immer noch schmerzt, wie Zverev jetzt verrät: „Mats schickt mir ständig Videos von ihm beim Tennisspielen, die zeigen sollen, dass er eigentlich viel besser ist“, so der Unparteiische vom Rothof. Zverev garantiert, bei einer Wiederholung wieder mit von der Partie zu sein. Immerhin wissen die Fußballer jetzt, wofür sie trainieren können.

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