Ruderweltmeister Oliver Zeidler hat sie. Tennisprofi Cedric-Marcel Stebe ebenfalls. Die Profis des FC Bayern sowieso. Eine Sondergenehmigung der Bayerischen Staatskanzlei. Mit dieser dürfen Athleten ihren Sport auf Anlagen ausüben, die für den Rest der Bevölkerung gesperrt sind. Die Möglichkeit will den Sportlern auch niemand wegnehmen. Aber die Politik schafft es nicht, eine klare, einheitliche Linie in den Sport während der Pandemie zu bringen.
„Sportbetrieb als wesentlicher Lebensinhalt bzw. zum Einkommenserwerb“ heißt es in den Sondergenehmigungen der Sportler. Wesentlicher Lebensinhalt? Einkommenserwerb? Das trifft nicht nur auf im Rampenlicht stehende Ausnahmeathleten zu.
Sondern zum Beispiel auch auf hauptamtliche Trainer – wie der Münchner Tennislehrer Nic Marschand am Wochenende in unserer Zeitung kritisierte. Marschand und seine über 20 000 Kollegen wurden in den letzten Wochen ihrer Lebensgrundlage beraubt. Womöglich darf man der Politik jedoch keine allzu großen Vorwürfe machen. In dieser historisch einmaligen Lage ist es utopisch zu fordern, für jede Situation, jeden Beruf, jedes individuelle Bedürfnis eine Lösung aus dem Ärmel zu schütteln. Plötzlich wird das alte Kennedy-Zitat wieder aktuell: „Frage nicht, was dein Land für dich tun kann, sondern was du für dein Land tun kannst!“
Wie das funktionieren kann? Das zeigt ein Beispiel aus Österreich. Eine Gruppe aus Tennistrainern schickte proaktiv einen detaillierten Maßnahmenkatalog an die Regierung, wie man ihren Sport auch in Corona-Zeiten betreiben kann. Der Appell fruchtete. Die Vorschläge der aktiven Insider haben ihren Weg in eine Verordnung gefunden. Ab dem 1. Mai dürften Tennisanlagen in unserem Nachbarland wieder öffnen – für alle.
Nicht warten, bis die Politik es regelt, sondern selber aktiv werden und Konzepte für die eigene Sportart oder den eigenen Verein erstellen. So könnten wir alle vielleicht schneller als gedacht, wieder nicht nur Liegestütze im Wohnzimmer machen oder die immer selben Jogging-Runden im Wald drehen müssen.
Nicht nur Geisterspiele der Fußball-Bundesligen versprechen Ablenkung in diesen monotonen Tagen. Auch die Tennisstunde im Club oder ein Sprint auf der Tartanbahn im Leichtathletik-Verein.
Daniel.Mueksch@ovb.net