DFL plant für den Tag X

von Redaktion

Task Force stellt heute Konzept für Bundesliga-Fortsetzung vor – aber noch keine Entscheidung

Frankfurt/Main – Das Konzept für eine Fortsetzung der Bundesligasaison liegt auf dem Tisch – doch für einen schnellen Neustart fehlt der Deutschen Fußball Liga weiter das grüne Licht von der Politik und den Gesundheitsexperten sowie eine breite Akzeptanz in der Öffentlichkeit. Auf der heutigen Mitgliederversammlung (ab 11.00 Uhr) wird DFL-Boss Christian Seifert die Vertreter der 36 Profivereine daher nicht nur im Detail mit dem von der Task Force „Sportmedizin/Sonderspielbetrieb“ erarbeiteten Strategiepapier vertraut machen, sondern die Clubs vor allem auf eine zurückhaltende Außendarstellung in der Corona-Krise einschwören.

Längst ist die von der Liga im Mai erhoffte Wiederaufnahme des Spielbetriebs zu einem Politikum geworden. Dass die DFL mit dem gewieften Taktiker Seifert an der Spitze bereits einen konkreten Wunschtermin für die ersten kompletten Spieltage mit Geisterspielen in der 1. und 2. Bundesliga verkünden wird, ist deshalb nicht zu erwarten.

Diesen Schritt visiert die Liga erst nach der Konferenz der Ministerpräsidenten mit Bundeskanzlerin Angela Merkel am 30. April an. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn machte am Mittwoch in Berlin indes erneut Hoffnung auf den baldigen Neustart mit Geisterspielen – funktionierende Schutzmaßnahmen vorausgesetzt: „Wenn das gelingen kann bei minimiertem und so gut wie möglich ausgeschlossenem Infektionsrisiko, dann kann das sicherlich gehen.“ Auch der Ministerpräsident von Hessen, Volker Bouffier, äußerte sich positiv über eine Wiederaufnahme der Spiele in der Fußball-Bundesliga.

Inhaltlich hat sich der Profifußball gewissenhaft auf den Tag X vorbereitet. Die von DFB-Chefmediziner Tim Meyer geleitete Task Force wird auf der Mitgliederversammlung ein detailliertes verbindliches Konzept mit strengen Hygiene-Vorgaben, erforderlichen Testungen und permanentem Monitoring vorstellen.

41 Seiten umfasst das Corona-Regelwerk. Darin werden strikte Vorgaben für organisatorische und hygienische Vorkehrungen im Stadion, die TV-Produktion, eine Hotelunterbringung, die häusliche private Hygiene im Alltag und in Quarantäne sowie zur Wiederaufnahme des Mannschaftstrainings penibel aufgelistet.

Die dynamische Personalbedarfsplanung sieht vor, dass bei den Geisterspielen –nur die kommen wegen des Verbots von Großveranstaltungen in Deutschland bis zum 31. August in Betracht – „maximal ca. 300 Personen“ anwesend sein sollen. Das Stadiongelände wird in drei Zonen eingeteilt: Stadioninnenraum (max. 98 Personen), Tribünenbereiche inklusive Funktionsräume (max. 115) und Stadionaußenbereich inklusive TV-Compound (max. 109).

Sollte ein Spieler, Trainer oder Betreuer positiv getestet werden, müsse dieser sofort isoliert werden. Die dokumentierten Kontaktpersonen sollen in diesem Fall umgehend getestet und beobachtet werden. Der Mannschaftsarzt sei für die „Beruhigung und Aufklärung des Teams über den Sachverhalt (keine Panik, strategische Ausrichtung des Teams, Kontrolle der Hygienemaßnahmen, etc.)“ zuständig. Auch die Nationale Anti Doping Agentur (NADA) sieht sich für eine mögliche Rückkehr zum Spielbetrieb in der Fußball-Bundesliga gerüstet.

Der Sportrechtsexperte Michael Lehner lehnt Geisterspiele wegen der unabwägbaren Risiken dennoch strikt ab und plädiert für einen Abbruch der Saison. „Für mich ist die Problematik des Gesundheitsschutzes nicht gelöst“, sagte der Rechtsanwalt. Lars Schaade, Vizepräsident des Robert Koch-Instituts (RKI), hatte sich zuletzt ebenfalls skeptisch zu den Ligaplänen geäußert.

Das könnte die Pläne der DFL torpedieren, denn vom RKI erwartet die Politik die entscheidenden Signale für oder gegen eine Fortsetzung der Saison. „Wir brauchen die Expertise des Robert Koch-Instituts. Wenn das Robert Koch-Institut beziehungsweise der Bundesgesundheitsminister das für vertretbar halten, wenn die Gesundheitsämter vor Ort das für vertretbar halten – dann würde ich es auf Bewährung wagen“, betonte derweil Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU). Allerdings treibt immer mehr Politiker die Frage um, wie bei den Geisterspielen dafür gesorgt werden kann, „dass vor den Stadien auch nichts stattfindet“, so Söder.

Die Fanszene ist gespalten. Ein Teil der Szene hat sich klar gegen Geisterspiele positioniert, der andere sehnt ein Stück Normalität zurück. „Es klingt absurd, neun Spieltage in leeren Stadien durchzuziehen, aber viele Anhänger sind trotzdem bereit, diese Kröte zu schlucken“, sagte Sig Zelt, Sprecher der Organisation ProFans“. dpa

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