Die Bundesliga und der Neustart

Es bleibt ein Drahtseilakt

von Redaktion

DANIEL MÜKSCH

DFB-Teamarzt Tim Meyer gilt nicht als eitler Charakter. Ruhig und am liebsten anonym im Hintergrund absolviert der Mediziner seine Arbeit. Unwahrscheinlich, dass Meyer daher auf seinen akademischen Titel bei der Pressekonferenz der Deutschen Fußball-Liga zur Durchführung der Geisterspiele bestanden hat. Dennoch zierte dieser gestern sein Namensschild auf dem Podium: Prof. Tim Meyer.

Schon allein damit wollte der Profifußball anscheinend seine Gewissenhaftigkeit untermauern und das vorgestellte medizinisch-hygienische Konzept symbolisch würdigen.

„Wir sind bereit.“ Diese Botschaft sollte gestern transportiert werden. Und sie ist angekommen. Es gibt keinen Grund, am medizinisch-hygienischen Konzept der DFL zu zweifeln.

Dennoch bleibt es ein Drahtseilakt. Das hat auch Christian Seifert erkannt. Der DFL-Geschäftsführer zeigt sich vom Gegenwind, der ihm und dem gesamten Profi-Fußball derzeit ins Gesicht bläst, überrascht: „Da müssen wir uns auch Gedanken machen, was wir in den letzten Jahren falsch gemacht haben“, sagte Seifert nachdenklich. Den Eindruck von selbstherrlichen Alleingängen wollen die Funktionäre nun partout vermeiden. Ein konkretes Startdatum nannte daher auch niemand. Den Ball spielte man wieder geschickt an die Politiker zurück. Deren Entscheidungen will man folgen.

Aber noch immer geht der Profifußball in diesen Tagen eine hochriskante Wette ein. Verläuft der Wiederanpfiff reibungslos, werden viele Vereine wieder in sichere finanzielle Fahrwasser steuern und die Fanseele wird etwas glücklicher die Pandemie überstehen.

Den Fußball-Oberen muss jedoch klar sein: Nur ein einziger positiver Corona-Fall im Kicker-Kosmos reicht wahrscheinlich aus, um den Saisonabbruch herbeizuführen. Das Image wäre auf Jahre zerstört.

Es darf also nichts schiefgehen. Es beginnt schon vor dem Stadion. Wichtig ist: Keine Fans, die sich zu den Spielen zu Tausenden rund um eine Arena treffen. Kein übertriebener Rudeljubel, der ein Virus in Sekundenbruchteilen verbreiten würde.

Ansonsten wird aus dem aktuellen Gegenwind ein Tornado, der mit voller Wucht über den deutschen Profi-Fußball hinwegfegt.

Daniel.Mueksch@ovb.net

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