Berlin – Kein Fußballfest im Olympiastadion, keine rauschende Partynacht für den Cupsieger und auf jeden Fall ein Geisterspiel: Das DFB-Pokalfinale kann aufgrund der Coronavirus-Pandemie nicht wie geplant am 23. Mai in Berlin stattfinden. Wie der Deutsche Fußball-Bund am Freitag nach einer Videokonferenz des Präsidiums mitteilte, bleibt der Wettbewerb aufgrund der Corona-Krise auf unbestimmte Zeit ausgesetzt und der Endspieltermin offen. Auch für die Halbfinals mit den Partien FC Bayern gegen Eintracht Frankfurt und 1. FC Saarbrücken gegen Bayer Leverkusen gibt es zunächst noch keine konkreten Termine.
Es sei „überaus bedauerlich, dass auch dieses besondere Spiel aller Voraussicht nach ohne Zuschauer im Stadion stattfinden muss, wobei wir selbstverständlich die generellen behördlichen Entscheidungen und Vorgaben abzuwarten haben“, sagte DFB-Präsident Fritz Keller und ergänzte: „Unter der Voraussetzung, dass das Spiel genehmigt wird, blicken wir dann erstmals in der Geschichte des DFB-Pokals sozusagen einem Wohnzimmer-finale entgegen.“ Immerhin sei das Spiel „ja im frei empfangbaren Fernsehen für jedermann zu sehen“, sagte Keller und verdeutlichte den Wunsch des Verbandes.
Eine normale Durchführung des Endspiels im Olympiastadion ist ohnehin nicht möglich. Wie der Berliner Senat am Dienstag beschloss, dürfen öffentliche Sportveranstaltungen in der Hauptstadt bis zum 24. Oktober nur ohne Zuschauer stattfinden. Die entsprechende Verordnung beschränkt die maximale Teilnehmerzahl bei Konzerten, Messen oder Volksfesten hingegen auf 5000. Events mit mehr als 1000 Teilnehmern gibt es in Berlin bis 31. August nicht.
Aufgrund der Corona-Krise waren im März bereits die für 21./22. April geplanten Halbfinals für unbestimmte Zeit verschoben worden. Trotz der weiter geltenden Abstandsregeln und Kontakteinschränkungen zur Eindämmung des Coronavirus ist zumindest nur eingeschränktes Training möglich – auch für Saarbrücken. Die Landesregierung erlaubte das dem Regionalligisten, um für „sportliche Chancengleichheit“ zu sorgen, wie die saarländische Staatskanzlei mitteilte. Die Bundesliga-Profis schwitzten zuvor längst wieder in kleinen Gruppen auf dem Rasen.
Offen bleibt, ob es aufgrund der derzeitigen Umstände überhaupt ein Finale geben kann. Klar scheint jedoch, dass durch die Verschiebung bereits auch die nächste Pokalsaison beeinflusst wird. Zumindest was den Auftakt vor dem ersten Bundesliga-Spieltag angeht. Denn der Heimvorteil der Amateurclubs birgt zusätzliche Unwägbarkeiten. Auch wenn die Partien als Geisterspiele stattfinden, sind in den kleineren Stadien die Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen schwieriger umzusetzen als in den Bundesliga-Arenen.
Zudem steht noch nicht einmal fest, wann das Teilnehmerfeld für den Wettbewerb 2020/21 komplett sein wird. Die Qualifikation wird mit den Landespokal-Endspielen abgeschlossen. dpa