Die medialen Aufschläge möchte Roger Federer seit einiger Zeit selbst in der Hand haben. Interviews gibt er in der Regel nur noch, wenn er dazu verpflichtet ist. Zum Beispiel direkt nach einem Match auf dem Platz. Will der populärste Sportler der Welt eine Botschaft platzieren, wählt er dagegen die sozialen Medien. Allein auf Twitter folgen dem Schweizer fast 13 Millionen Menschen. Und hier rasen die Zeilen der lebenden Legende binnen Sekunde um dem Globus.
Wie am letzten Mittwoch. Als der 38-Jährige sich für eine Fusion von ATP und WTA aussprach. Federer möchte, dass sich das Profitennis nicht mehr in Herren- und Frauenverband teilt, sondern unter einem Dach ein neues Zuhause findet. Das Echo fiel sehr positiv aus. Die strikte Geschlechtertrennung wirkt im Jahr 2020 fraglos nicht mehr zeitgemäß. Ein starker Verband kann mehr bewirken als diverse schwächere. Dennoch: Federers Motive sind nicht nur edel.
Der Wimbledon-Rekordsieger richtet mit seiner Agentur „Team8“ nämlich auch den Laver Cup aus. Den Mannschaftswettkampf wollen der Schweizer und seine Geschäftspartner mit aller Macht etablieren. Solange der Superstar selbst noch spielt und mit weniger Partnern über Datum, Modus und Co. verhandeln muss, desto besser für das Federer-Produkt. Aus Federers Worten spricht daher nicht nur der Gentleman, sondern auch der Geschäftsmann.
Zur grundsätzlichen Idee gab es wenige negative Stimmen. Zumindest öffentlich. Denn der Kern der Kritik ist heikel: die Preisgeldverteilung zwischen Männern und Frauen.
Spielen Männer und Frauen zukünftig immer parallel, werden sie auch immer um das gleiche Preisgeld kämpfen. Nur: Die Fans kaufen eindeutig mehr Karten für die Männerspiele. Das ist kein aus der Luft gegriffener Chauvinismus, sondern durch mehrere Untersuchungen belegt. Die männlichen Profis werden einer Fusion nur zustimmen, wenn ihr Anteil am Kuchen auch entsprechend gewürdigt wird.
Gut möglich, dass der Vorstoß von Roger Federer irgendwann Realität wird. Bis dahin ist es aber noch ein (sehr) weiter Weg. Die Tennis-Legende Federer wird dann die Karriere schon lange beendet haben und sich ganz auf seine Geschäfte konzentrieren.
Daniel.Mueksch@ovb.net