ZWISCHENTÖNE

Die Krise – Chance zur Besinnung

von Redaktion

In trüben Krisenzeiten wie diesen sehnt man sich nach Normalität, selbst wenn man weiß, dass diese Normalität so gut ja auch nicht gewesen ist. Aber jedenfalls besser als diese verstörende Gegenwart, in der Menschen per Dekret gezwungen sind, gegen das Vermummungsverbot zu verstoßen, wo man trotz Sonne satt nicht in den Biergarten darf und der Samstagnachmittag plötzlich so leer ist, weil die spannende Frage nicht beantwortet wird, ob der FC Bayern vielleicht doch mal wieder verliert.

In Zeiten wie diesen wünscht man sich schon mal, man könnte sich tief ins nächste Jahr beamen und rückblickend beurteilen, was dieses komische Virus gemacht hat mit uns. Mit der Gesellschaft, mit dem Sport. Es soll ja vieles anders werden, manches sogar besser. Sagen Optimisten (so es die nach 2020 noch gibt).

Aber lassen Sie uns einfach mal die (Sport-)Welt im Frühjahr 2021 aus deren Blickwinkel betrachten. Das Fußball-Business erinnert nun eher an die Phase, als die Bundesliga bei weitem keine Milliarden umsetzte, kein Verein, von den Bayern wohl abgesehen, kann es sich mehr leisten, irrwitzige Summen in Ablösen und längst unmoralische Spielergehälter zu investieren, das will auch keiner mehr. Gefeiert von den Fans, die noch Anfang 2020 durch Hetze und Pöbeleien aufgefallen waren, werden junge Spieler, die hier ausgebildet wurden, keiner vermisst die Super-Stars, die für mehrstellige Millionenbeträge aus aller Welt importiert wurden.

An der Spitze (hinter den Bayern) etablieren sich Vereine, die in der Vergangenheit vernünftig gewirtschaftet, die auf eigenen Nachwuchs gesetzt haben, nicht auf Investoren, die sich selbst wichtiger nehmen als den Sport. Manche Clubs sind verschwunden, doch keiner vermisst sie wirklich, weil deren Finanzgebaren sowieso nicht mehr in die Zeit gepasst hätte. Darunter, bei den Amateuren, spürt man wieder diese Leidenschaft, die Spieler, die nur des Geldes wegen gekickt haben, sind, vom langen Nichtstun frustriert, abgetaucht. Sie haben keinen Platz mehr in einem Team, für das Fußball ein wunderbares Hobby ist, kein lukrativer Nebenerwerb.

In den Kinder- und Jugendfußball ist Ruhe eingekehrt, es geht wieder um Spiel und Spaß. Trainer stellen die Ausbildung in den Mittelpunkt, nicht den schnellen Erfolg. Eltern halten sich zurück, weil sie nicht mehr von den Millionen träumen, die ihr ganz besonders begabtes Kind später hätte verdienen sollen, wäre Corona nicht gewesen.

Wäre nur zu schön, hätte dieses zerstörerische Virus zumindest positive Folgen. Wenn sich der Sport auf seine Wurzeln besinnen würde, wenn Kommerz, Doping und Gigantismus zu Relikten der Vor-Corona-Zeit würden. Und die verschobenen Olympischen Spiele zum Fest einer Welt, die mit Solidarität über alle Grenzen hinweg diesen unsichtbaren Feind besiegt hat und enger zusammengerückt ist als es alle politischen Bündnisse und Zusammenschlüsse der Vergangenheit vermocht hatten. Der Sport ist nicht mehr das big business für wenige, sondern ein Gewinn für alle.

Ganz so wird es natürlich nicht werden, wenn Corona einmal ausgestanden ist. Das Virus hat ja nicht die DNA des Menschen verändert und so ist zu befürchten, dass es weiter Leute geben wird, die betrügen, die sich mit und über den Sport bereichern, korrupte Funktionäre, die in Palästen sitzen. Vielleicht aber rücken an deren Stelle nun mehr frühere Athleten, die den Sport lieben und im Herzen tragen.

Aber Vorsicht, die Hoffnung kann trügen. Auch Thomas Bach war Sportler, aber nicht er hat das IOC, sondern das IOC eher ihn verändert. War aber vor Corona.

Von Reinhard Hübner

Corona könnte für den Sport auch positive Folgen haben

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