München – Der Vater des Basketball-Projektes war zehn Jahre danach auf Familienbesuch. Bernd Rauch kann es sich getrost leisten. Der heutige Ehren-Vizepräsident ist beim FC Bayern längst nicht mehr im offiziellen Amt. Aber natürlich hat er diese Tage als alles begann noch in bester Erinnerung: „Das war eine spannende Zeit.“
Es war der 1. Mai 2010, die Fußballer kickten gegen VfL Bochum, da rief der Verein in der damaligen Club-Postille „Bayern-Magazin“ per Fragebogen mit Rückumschlag zur Abstimmung auf. Ob man denn grundsätzlich Spitzen-Basketball beim FC Bayern unterstützen würde, wurden die Mitglieder da befragt. Club-Patron Uli Hoeneß hatte es so haben wollen. „Ich habe Bernd Rauch gesagt, ich mache mit“, sagte der dem heutigen Vereins-Magazin „51“ , „aber nur wenn die Mitglieder Basketball haben wollen.“
Und wie sie wollten. Kistenweise prasselten die Rückmeldungen auf die Büros an der Säbener Straße ein. Mehr als 23 000 der damals 160 000 machten mit – drei Viertel sagten Ja. Man möge die Korbjäger, die seinerzeit in der winzigen Säbener Halle auftraten, nach oben führen. Und gaben damit den Startschuss für eine Initiative, die den Basketball im ganzen Land ziemlich nachhaltig verändern sollte.
„Wenn wir es machen, dann machen wir es richtig“, hatte Hoeneß seinerzeit inhaltsschwer angekündigt. Was er damit meinte, wurde schnell klar. In Dirk Bauermann gewann man keinen geringeren als den amtierenden Bundestrainer als Projektleiter. Durch die zweite Liga tourten Nationalspieler wie Steffen Hamann und Demond Greene, dazu BBL-Größen wie der unverwüstliche Aleksandar Nadfeji oder Darius Hall. Das wurde nicht nur positiv aufgenommen. Der Ulmer Spielmacher Per Günther etwa unkte schnell: „Wer noch Titel gewinnen will, der muss bald nach München.“
Ganz so schlimm kam es nicht, auch wenn die Bayern mittlerweile auch in die BBL zunehmend größere Namen anlocken. Drei Meisterschaften und ein Pokalsieg stehen ein Jahrzehnt nach dem Startschuss auf der Habenseite. Dazu füllt der Club indirekt auch die Kassen der Konkurrenz. In fremder Halle sind die Bayern, die mittlerweile auch von der Euroleague hofiert werden, eine Zugnummer. Der von Uli Hoeneß eingefädelte Fernsehvertrag mit dem Telekom-Sender „Magentasport“ spült jedem Verein 250 000 Euro pro Jahr in die Kassen.
Es liegt in der Natur der Sache, dass das Wort des Vereins in der Liga Gewicht hat. Als die Clubchefs zu Wochenbeginn über die Fortsetzung der unterbrochenen Saison debattierten, bekam der Gedanke den Zuschlag, für den Bayern-Geschäftsführer Marko Pesic zuvor geworben hatte. Jenes Turnier, in dem insgesamt zehn Clubs im Juni den neuen nationalen Champion ausspielen wollen.
Ein Wettbewerb, den die Bayern übrigens auch gerne selbst beherbergen würden. Die entsprechenden Unterlagen reichte der Deutsche Meister ebenso wie Euroleague-Gegenspieler Alba Berlin und die Frankfurt Skyliners in der Ligazentrale ein. Die vorher ebenfalls gehandelten Oldenburger zogen ihr Interesse zurück.„Jetzt wünschen wir der BBL ein glückliches Händchen, den besten Standort auszuwählen“, sagte Mediendirektor Andreas Burkert.
Die Entscheidung, wer aus diesem Trio den Zuschlag erhält, wird am Montag fallen.