München – Oliver Kahn (50) gehört beim FC Bayern mit zu den wichtigsten Krisenmanagern während der Corona-Pandemie. Das Vorstandsmitglied geht im Verein voraus und ist bei allen Themen, die die Krise mit sich bringt, involviert. Von Kahns Krisenmanagement ist auch Bayern-Präsident Herbert Hainer schwer beeindruckt. Und das muss etwas heißen, immerhin leitete Hainer über ein Jahrzehnt als Vorstandsvorsitzender die Geschicke bei adidas. Darum ist das Vereinsoberhaupt überzeugt, dass Kahn der richtige Mann ist, um von der DFL ab Herbst in die Taskforce „Zukunft Profifußball“ berufen zu werden. „Spontan würde ich sagen, dass Oliver Kahn als derjenige, der in Zukunft die Verantwortung für die FC Bayern München AG trägt, auch der Richtige für diese Gruppe ist“, sagte Hainer dem „kicker“.
Zur Erinnerung: Die Taskforce hatte DFL-Geschäftsführer Christian Seifert ins Gespräch gebracht, um den Fußball nach der Corona-Krise finanziell stabiler und auch „demütiger“ zu machen. Ein tief greifender Reformprozess soll ab Herbst dabei helfen, den Worten auch Taten folgen zu lassen.
„Die am stärksten wahrnehmbare Kritik findet sich derzeit an der Schnittstelle Sport und Wirtschaft. Da geht es um Spielergehälter, schamlos zur Schau gestellten Reichtum, Ablösesummen sowie Berater, die Millionen kassieren für einen Musterarbeitsvertrag, den sie bei uns aus dem Internet herunterladen können“, erklärte Seifert gegenüber der „FAZ“.
Heißt im Klartext: Die Zeiten von Goldsteak-Protzfotos von Spielern in den sozialen Medien sollen so schnell wie möglich der Vergangenheit angehören. Man will laut Seifert allerdings „kein Ankündigungsweltmeister werden. Es sollen Lösungen sein, die nach einem objektiven Maßstab fragwürdige Entwicklungen identifizieren und dann zumindest begrenzen, vielleicht auch korrigieren.“ Symbolpolitik helfe niemandem, erklärte der 50-Jährige.
Diese Ansicht ist freilich auch ganz nach dem Geschmack von Bayern-Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge (siehe Seite 25). Die gleiche Meinung dürfte auch Oliver Kahn haben. Beim FC Bayern hat er seit seiner Berufung in den Vorstand bereits viele Denkprozesse angestoßen – unter anderem, was die Vernetzung aller Mitarbeiter angeht. Solche Querdenker würden auch der DFL-Taskforce gut tun.