Keine Zeit für Sonderregeln

von Redaktion

Pistolen-Schützin Monika Karsch hat sich auf die Krise eingestellt – ihre großen Ziele sind nur vertagt

München – Man kann ja nicht sagen, dass nicht auch diese Zeiten ihre guten Seiten haben. Monika Karsch etwa gehört zu den Menschen, die den Zeiten der Krise sogar eine ganze Menge Gutes abgewinnen können. Deutschlands beste Pistolenschützin hat das Privatleben, dass ihr sonst oft versagt bleibt. „Ich kann Mama sein“, sagt die gebürtige Schongauerin, „ich habe sogar Zeit für Hobbys.“

Klar, das war so nicht geplant gewesen. Die Olympia-Qualifikation, die Spiele in Tokio selbst – unter normalen Umständen wäre das Leben der 37-Jährigen derzeit im Zeichen der fünf Ringe gestanden. Es kam anders, das alles überstrahlende Highlight wurde auf 2021 vertagt. Und natürlich hat auch sie daran zu knabbern gehabt, auch wenn die Entscheidung der Olympier auch für sie „die einzig Richtige war“.

Immerhin sind die Konsequenzen ja vergleichsweise überschaubar für die Frau, die 2016 in Rio de Janeiro Silber mit der Sportpistole holte. Sie gehört zu den Athletinnen, deren Weg zum neuen Anlauf im kommenden Jahr kaum infrage stehen dürfte. Durch die Bundeswehr ist sie abgesichert. Dahinter steht eine kleine Sponsorenlandschaft, die sie mehr mit Know-how als mit Finanzen absichert: „Ich denke mal, da wird sich nicht viel ändern.“

Das ist auch gut so, Karsch hat auch in Tokio große Ziele. Und wer würde ihr die nicht zutrauen? Gerade mit der Sportpistole war Karsch zuletzt immer da, wenn es um etwas ging. Dem Coup in Brasilien folgten zwei EM-Titel. Vielleicht ist das sogar noch höher zu bewerten.

Das hat natürlich mit ihrem besonderen Händchen für die Waffe zu tun. Die Waffe ist anders als die, auf standardisierte Wiederholungen ausgerichtete Luftpistole, mit der sie einst den Sprung in den Nationalkader schaffte. Die Herausforderungen der Disziplin mit Duellsystem und Wettbewerbsteilen unter freiem Himmel, liegen Karsch, auch weil „ich eine sehr flexible Schützin bin.“

Dahinter steht harte Arbeit. In Wettkampfzeiten führt Monika Karsch das Leben als Vollprofi. Auf dem Trainingsplan, den sie mit ihrem Ehemann und Coach Thomas erarbeitet stehen in Hochzeiten bis zu sechs Stunden Training täglich. Und das ist weit mehr als die 35 000 Schuss, die sie normalerweise jährlich abfeuert. Auch Mental- und Athletiktraining sind für die Präzisionsarbeit am Stand unerlässlich.

Derzeit bleibt nicht viel mehr als die körperliche Arbeit. Aber wer weiß, vielleicht kann sie auch bald auf den Schießstand zurückkehren. Die Hygiene- und Abstandsregeln einzuhalten, ist für die Schützen machbar. Doch sie drängt nicht dorthin. Im Gegenteil: „Im kommenden Jahr ist Olympia, dann werden wir vielleicht wieder mehr Unterstützung brauchen“, sagte Karsch, „in diesem Jahr gibt es andere Dinge, die viel wichtiger sind. Da braucht man jetzt nicht die großen Sonderregeln.“

Eine Haltung, die Monika Karsch übrigens auch ins tägliche Leben trägt. Sie gehört zu jenen, die an der heimischen Nähmaschine bereits seit geraumer Zeit Atemschutzmasken produziert hat. Die sie natürlich in der Öffentlichkeit auch selbst getragen hat. Denn: „Es geht darum, auch ein bisschen Vorbild zu sein.“ PATRICK REICHELT

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