„Mercedes zieht die Reißleine“

von Redaktion

Eddie Jordan prophezeit: Konzern beendet F1-Engagement – und Hamilton geht zu Ferrari

VON RALF BACH

München – Ex-Teamchef Eddie Jordan (72) gilt in der Formel-1-Szene als Orakel, seit er Ende 2009 das sensationelle Comeback von Rekordweltmeister Michael Schumacher bei Mercedes prophezeit hat und 2012 Lewis Hamilton überraschenden Wechsel von McLaren zum Silberpfeil-Team voraussagte. Jetzt ist der Ire, der in der automobilen Königsklasse Kultstatus genießt, davon überzeugt, dass die Formel 1 äußerst schwierigen Zeiten entgegen fährt. Jordan sagt: „Die Welt hat sich nicht nur wegen Corona extrem verändert, die Werte der Menschen haben sich verschoben. Umweltbewusstsein steht ganz oben auf der Liste, die Leute wollen immer mehr ein einfacheres Leben und die Natur genießen. Das heißt für die Bosse der Konzerne: Auch sie müssen umdenken.“

Für den Iren, in dessen Rennstall Michael Schumacher im August 1991 in Spa sein Formel-1-Debüt gegeben hat, heißt das: „Ich bin überzeugt, dass Mercedes, Honda und vielleicht auch Renault die Reißleine ziehen werden und im Laufe der nächsten zwei Jahre ihr F1-Engagement beenden werden. Besonders die Mercedes-Führung kann gar nicht anders entscheiden: Sie haben alles gewonnen, weitere Erfolge können sie unter den gegebenen Umständen nicht mehr vermarkten. Sie werden ihr Team verkaufen, vermutlich an Lawrence Stroll, der als neuer Aston-Martin-Verantwortlicher natürlich hofft, weiterhin die Motoren aus Stuttgart zu bekommen. Ich betone: hofft. Denn ich kann mir nicht vorstellen, dass Mercedes seinen Motor für eine andere Marke, die zwar einen großen Namen hat, aber im Moment völlig pleite ist, hergeben wird. Vielmehr glaube ich, dass Mercedes mit McLaren ab 2021 wieder wie früher eine intensivere Partnerschaft plant.“

Der Druck auf Mercedes, sein F1-Engagement völlig umstellen zu müssen, wachse auch wegen Hauptsponsor Petronas. Jordan: „Die Ölpreise fallen ins Bodenlose, die Mineralölkonzerne können sich deshalb ein Engagement, das im Jahr im mittleren zweistelligen Millionenbereich liegt, nicht mehr leisten. Petronas wird deshalb auch aussteigen müssen. Ihr Beitrag reißt dann ein Riesenloch ins Mercedes-Budget.“

Nur Ferrari werde weitermachen wie gehabt. Jordan: „Sie ticken anders, bei ihnen fließt Formel-1-Blut in den Adern.“ Der Ire prophezeit: „Zukünftig werden Ferrari, Red Bull und wahrscheinlich wieder McLaren, wenn sie zu alten Zeiten zurückfinden und ihren Wert wieder steigern können, die Säulen der Formel 1 darstellen.“

Das düstere Szenario, das Jordan für die Zukunft malt, hätte auch Auswirkungen auf die drei Superstars der Szene. Jordan ist überzeugt: „Es dreht sich alles um Lewis Hamilton, Sebastian Vettel und Max Verstappen. Vettel kenne ich im Gegensatz zu Lewis Hamilton nicht so gut, aber meiner Meinung nach hat er keine andere Wahl als aufzuhören oder zu McLaren zu wechseln. Der Zug bei Ferrari ist längst für ihn abgefahren. Lewis wird zu Ferrari wechseln. Nur die Italiener können sich sein Gehalt noch leisten und sie wissen: er ist es auch wert. Verstappen wird bei Red Bull bleiben und dort versuchen, Lewis zu schlagen. Das wird aber sehr schwer.“

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