Auf dem Transfermarkt kreuzen sich die Wege ja ab und an – und einer der jüngsten Berührungspunkte zwischen dem FC Bayern und RB Leipzig war kurios. Denn stimmt es, was man im Winter so hörte, hätten die Münchner Leipzigs Top-Transfer Dani Olmo fast in letzter Sekunde verhindert. Mit „materiellen Dingen“, so sagte es RB-Sportdirektor Markus Krösche, sei der Offensivspieler umgarnt worden, als er schon auf dem Weg nach Leipzig war. Privat-Shuttle-Flug an die Isar und Blanko-Vertrag wurden als Lock-Angebote genannt. Olmo ließ sich nicht umstimmen, aber die Anekdote passte doch gut in das Bild, das das Verhältnis Bayern-Leipzig in den letzten Transferperioden abgegeben hat.
Böses Blut wäre zu viel gesagt, die Vokabel „irritiert“ fiel aber des öfteren. Olmo war da nur eine Randnotiz, viel prägnanter freilich war der Fall Timo Werner – der nun ein endgültiges Ende gefunden hat. Nach eineinhalb Jahren, zahlreichen Gesprächen und Rückziehern sowie öffentlichkeitswirksam platzierten Wortmeldungen ist nun also schon im Frühjahr klar, dass der Nationalspieler heuer nicht zum FC Bayern wechseln wird. Nach allem, was bisher passiert ist, ist das das Beste. Man sollte nicht passend machen, was einfach nicht passt.
Werner hat mit seinen Aussagen („Ausland reizt mich mehr als Bayern“) den offensiven Weg genommen. Der Zeitpunkt seines Vorstoßes mag ungewöhnlich erscheinen, wurde aber mit Kalkül gewählt. Natürlich hat auch der im vergangenen Sommer zum Münchner „Plan B“ degradierte Stürmer mitbekommen, dass das Werben um seine Person durch die Beförderung von Hansi Flick wieder intensiviert wurde. Er hat aber auch gehört, dass Flick zuletzt mit Leroy Sané (also Bayerns Plan A) telefoniert haben soll. Schon jetzt war klar, dass Werners Bedingung für einen Wechsel – nämlich „maximale gegenseitige Wertschätzung“ – auch in diesem Sommer nicht erfüllt gewesen wäre. Also lieber gleich absagen.
Eine erneute Hängepartie bleibt aus, zum Glück! Die Bayern aber müssen sich den Vorwurf gefallen lassen, dass sie damals, als Werner noch interessiert und für 25 Millionen Euro zu haben war, einen Fehler gemacht haben. Auch wenn Robert Lewandowski unantastbar ist, haben sie die Chance vertan, sich mit Werner für die Zukunft zu rüsten. Die Bundesliga wird den besten deutschen Stürmer leider bald verlieren. Und nicht mal Privat-Flieger und Blanko-Vertrag werden ihn umstimmen.
Hanna.Raif@ovb.net