München – Die deutschen Profifußballclubs kämpfen um ihre Existenz, sie geloben, falls sie die Krise bewältigen, Besserung – und dann passiert das: Ein Video macht die Runde, das ein Licht darauf wirft, wie die Branche tickt, welche Maßlosigkeit im Kosmos der Spieler nach wie vor herrscht. Schnell verschwand das Video wieder aus dem Netz („kann nicht mehr abgespielt werden“), doch es wird nie mehr ungeschehen zu machen sein. Die Inhalte wurden hinreichend dokumentiert.
Auf Facebook Live hat Salomon Kalou, 34, ivorischer Stürmer von Hertha BSC, gefilmt, wie er zum Training fährt, schließlich die Kabine betritt, mit den Kollegen scherzt und zum Corona-Test geht. Den Großteil der 25 Minuten nimmt seine im Auto zur Schau gestellte Fröhlichkeit ein – seine Sache, wenn er sich da filmt. Bis dahin nicht anstößig. Halt wenig erhellend.
Doch dann: In der Kabine merkt man nichts davon, dass es bei den Berlinern angesagt wäre, auf Abstand zu bleiben. Kalou schüttelt Hände, alles ist wie immer. Hygienekonzept?
Salomon Kalou sperrt seinen Spind auf, wie die anderen hat er seine Gehaltsabrechnung bekommen. Unter den anwesenden Profis beginnt unter der Wortführung von Vedad Ibisevic die Debatte über die Kürzungen. „Bei mir sind es elf Prozent. Was haben sie dir genommen?“ – „Fünfzehn.“ – „Das sind mindestens noch mal 30 000.“ – Ibisevic sagt: „Wenn sie es mit jedem Spieler machen, verdienen sie einen Haufen Geld.“ – „Aber wir haben das verdammt noch mal unterschrieben.“
Kalou streift dann „Corona-Virus“ singend durch die Gänge, filmt noch, wie beim Kollegen Jordan Torunarigha ein Rachenabstrich genommen wird (auch das ein Verstoß, es dürfen nur der Arzt in ein Spieler im Raum sein) und hat Spaß am Leben.
Für die DFL sind die Bilder relevant, die die Nichtbeachtung der Hygieneregeln zeigen. Über Twitter nannte die Liga das Verhalten „absolut inakzeptabel. Hierfür kann es keine Toleranz geben – auch mit Blick auf Spieler und Clubs, die sich an die Vorgaben halten, weil sie die Ernsthaftigkeit der Situation erfasst haben.“
Am Ende der Kalou-Aufnahme hört man einen Hertha-Mitarbeiter rufen: „Sala, lösch das Video!“ Tatsächlich verschwand es schon kurz nach seiner Ausstrahlung. Offensichtlich hatte Kalou es aus Versehen gestreamt. Zu Athletiktrainer Henrik Kuchno sagt er: „Ich filme für die Frauen in der Elfenbeinküste.“ Problematisch ist zudem, dass er die Persönlichkeitsrechte der Gefilmten verletzt. Die wussten nicht, dass alles öffentlich wird.
Kalou wurde von Hertha-Geschäftsführer Michael Preetz suspendiert („Das Ausmaß des Fehlverhaltens fordert konsequentes Handeln“), der Vertrag läuft aber ohnehin am 30. Juni aus.