München – Man hat das Gefühl dafür verloren, wie lange eine Skisaison gehen kann, seit um den 15. März herum alpenweit die Skigebiete zugesperrt wurden. Im Nicht-Coronafall wäre vorgestern in Ischgl noch das große Finale mit Konzert von Eros Ramazzotti auf 2300 m Höhe gewesen (im Neuschnee), von den Tiroler Gletschern wären um diese Zeit noch Hintertux, Stubaier und in Sölden Rettenbach- und Tiefenbachferner in Betrieb. Es hätte ein Angebot für Touristen genauso wie für Profis gegeben.
Der Frühling, wenn alle Rennen gefahren sind, ist auch für die Weltcupstarter und Kaderathleten eine „total wichtige Jahreszeit“, so der deutsche Alpinchef Wolfgang Maier. Denn da beginnt de facto schon die neue Saison – mit dem Test des kommenden Materials. Der Deutsche Ski-Verband wollte im April aufs Zugspitzplateau, erhielt aber keine Genehmigung. Skifahren war in keiner Form möglich.
Nun tut sich ein bisschen was. Aber vorläufig nur bei den Österreichern. Der Österreichische Ski-Verband (ÖSV) mit dem einflussreichen Unternehmer Peter Schröcksnadel an der Spitze schickt seine Stars ab dieser Woche in den Schnee. Die verlorenen Wochen werden teilweise nachgeholt. In Sölden, oben am Gletscher. Man kann ihn über die Straße erreichen, braucht nicht – wie etwa in Hintertux – Gondeln, um hinaufzukommen.
„Endlich geht’s wieder los. Wir dürfen auf die Piste und unserer Arbeit nachgehen. Ich habe einiges an Kilometern auf den Speedski aufzuholen und muss einen technischen Aufbau machen“, sagt Abfahrer Max Franz in einem Video auf der ÖSV-Homepage. Kollegin Nina Ortlieb sagt: „Nach vielen Stunden in der Kraftkammer freut man sich noch viel mehr.“ Alles erfolge, versichert Max Franz, „streng nach Vorschrift“.
Die besagt: Es kommt nur nach Sölden, wer einen negativen Covid-19-Test vorzuweisen hat. Ein Trainingsblock dauert acht Tage, gewohnt wird in Apartments, ein eigener Koch ist mit dabei. Vor der Abreise erfolgt ein weiterer Test. Zunächst sind die Speed- und Slalom-Gruppe der Männer da, in der zweiten Woche dann die Frauen. „Kontakt zu Dritten“ ist nicht erlaubt, die Piste hinauf (nicht der Weltcuphang, sondern parallel dazu) wird nicht geliftelt, sondern mit dem Skidoo gefahren. Die Lifte bleiben wie das gesamte Gebiet geschlossen.
Der Hintertuxer Gletscher, Österreichs einziges Ganzjahresskigebiet, im Sommer Trainingsquartier für Rennmannschaften aus der ganzen Welt, hat noch kein Datum der Wiedereröffnung kommuniziert, spielt aber in den ÖSV-Planungen ebenso wie der Mölltaler Gletscher in Kärnten eine Rolle. Die Deutschen hoffen auf Schneetraining im August, eventuell in Chile und Neuseeland.
Der ÖSV nutzt seinen Heimvorteil. Die Meldung zum Schneezustand lautet: „Seht gut.“