Berlin – Eigentlich wäre Laura Dahlmeier jetzt in der Vorbereitung auf die neue Saison. Doch ihr Gewehr hat die 26-Jährige in die Ecke gestellt und studiert nun Sport, ganz ohne Druck. Und auch durch die Corona-Krise geht der frühere Biathlon-Star aus Garmisch-Partenkirchen entspannt. Zwar muss sie wie jeder andere die Einschränkungen in Kauf nehmen. Sie geht damit aber locker um – und hofft, dass nach der Krise einiges anders wird.
Wie hat sich Ihr Leben seit dem Karriereende verändert?
Es war ein bissel turbulent. Die ersten zwei, drei Monate habe ich versucht, Abstand vom Biathlon zu gewinnen. Dann bin ich viel gereist, habe mir die Zeit genommen für Dinge, für die man sonst wenig Zeit hat.
Und dann …?
… kam die Frage: Okay, was machst du jetzt? Das habe ich super schwierig gefunden, weil ich wusste immer, dass ich eine erfolgreiche Biathletin werden will. Aber danach habe ich alles offen gelassen. Es war nicht ganz klar, ob ich studieren will und ob es Sport ist. Jetzt bin ich super happy, das Leben hat wieder einen Sinn. Und ich habe jetzt nicht mehr diesen Leistungsgedanken, diesen Druck – diese Freiheit genieße ich extrem.
Was wollen Sie mit ihrem Sportstudium anfangen?
Was genau, wird man sehen, ich bin da relativ entspannt. Es wird sich schon das Richtige zur richtigen Zeit ergeben.
Sieht man Sie mal wieder im Biathlon?
Ich mache ja nebenbei noch den Trainerschein.
Dann werden Sie bestimmt die erste Bundestrainerin?
Nein, nein. Ich kann ausschließen, dass ich sofort als Trainerin im Biathlon-Zirkus einsteige. Aber wie heißt es so schön: Sag niemals nie.
Durch die Corona-Krise ist jetzt im Studium auch für Sie Homeoffice angesagt. Wie gehen Sie mit den Einschränkungen um?
Was schon krass war, ist das mit der Ausgangssperre. Das hat schon ein paar Tage gedauert, bis ich das akzeptiert habe. Ich dachte, ist das real oder wache ich morgen auf und denke, das war alles nur ein Scherz. Aber was superschön ist, dass ich in Garmisch-Partenkirchen lebe, das ist wie im Paradies. Wenn ich jetzt die ganze Zeit in meiner kleinen Studentenbude in München gewesen wäre, dann wäre die Zeit um einiges härter gewesen.
Fühlen Sie auch die Solidarität, von der viel gesprochen wird?
Ich finde es schön, den Zusammenhalt in der Bevölkerung wieder zu spüren. Auch in der Familie, man steht wieder viel mehr zueinander.
Kann die Corona-Krise auch was Positives bewirken?
Ich würde mir mehr Achtsamkeit wünschen. Am Anfang der Krise haben ja viele entschleunigt, alles war etwas ruhiger, weniger Stress, keine Termine. Ich würde mir wünschen, dass wir das mit in die Zeit danach nehmen, dass weniger manchmal mehr ist. Nicht dass es gleich wieder heißt, jeder ballert sich wieder mit Terminen voll und hetzt von einem Termin zum nächsten.
Können Sie sich vorstellen, dass die kommende Biathlon-Saison in Zeiten von Corona eine normale wird?
Spannend wird, wie sich die Corona-Pandemie entwickelt. In Italien muss man sich vielleicht fragen, macht es Sinn in so einem gebeutelten Land Wettkämpfe zu veranstalten. Oder geht man in Regionen, wo die Bevölkerungsdichte nicht so hoch ist. Macht man ein bisschen mehr in Skandinavien. Und sorgt man dafür, dass die Athleten weniger reisen müssen. Aber das ist Aufgabe der IBU und der jeweiligen Länder, die richtigen Entscheidungen zu treffen.
Interview: Sandra Degenhardt und Volker Gundrum