München – Die Teams der Fußball-Bundesliga sind in ihren Quarantänehotels eingerückt. Nicht alle übrigens so rechtzeitig, dass den Vorgaben aus dem Skript „Sonderspielbetrieb im Profifußball“ Genüge getan wäre. Wer am Samstag zu spielen hat, aber erst am Sonntag seine Zimmer bezog, hatte verstoßen gegen das, was auf Seite 39 unter „Wiederaufnahme des Mannschaftstrainings“, Punkt 28, steht: „Als weitere Sicherungsmaßnahme werden mindestens die letzten 7 Tage vor Saisonbeginn als Trainingslager in Quarantäne verbracht . . .“
Nun gut, eine Nacht früher oder später: Jetzt jedenfalls sind alle in den Hotels, die ihre Vereine ausgewählt haben. Bei den meisten ist es das Haus, in dem sie ohnehin die Nacht vor den Heimspielen zubringen, andere, die auswärts antreten müssen, wenn es wieder los geht, haben sich in die Nähe des nächsten Spielorts begeben. Was nun eben anders ist: Eine Mannschaft soll sich in den Hotelbetrieb nicht einfügen. Sonst sitzen Spieler auch gerne in Lobbys und empfangen Freunde, Berater. Nun sollen sie ausschließlich untereinander Kontakt haben und keinen zur Außenwelt, zu der in diesem speziellen Fall auch das Hotelpersonal gerechnet wird. Heißt das, dass die Herren Profis ihre Zimmer selbst aufräumen und in Ordnung halten müssen?
Einen Bequemlichkeitspassus (eigentlich sogar zwei) hat die Taskforce um den Internisten Professor Tim Meyer schon eingebaut. „Minimale Anzahl an Hotelpersonal, clubeigener Betreuerstab erbringt Dienstleistungen“ heißt es. Sowie: „Keine Reinigung der Zimmer, während das Team im Hotel ist.“ Hält es sich beim Training auf, kann die Putz- und Desinfektionskolonne durch die Räumlichkeiten ziehen.
Ganz ohne Personal des Hotels wird’s nicht gehen, zwar nicht erwünscht, aber erlaubt ist es bei der Zubereitung und Ausgabe des Essens. Paragraph 14, II und III: „Essenausgabe durch eigenen Staff und/oder geringstmögliches Hotelpersonal: Essen wird auf einem Tisch abgestellt und von Spieler/Trainer/Betreuer abgeholt Abräumen erst, nachdem die Spieler den Raum verlassen haben, sodass geringstmögliche Anzahl an Personal während der Mahlzeiten im Speiseraum anwesend ist.“
Die DFL kümmert sich – sogar um die Luftzufuhr. „Nicht zu trockene Luft über die Klimaanlage (21˚, Luftfeuchtigkeit 50-60%).“ Mit einer der folgenden Anweisungen zeigt sich die Liga als mit der Lebenswelt junger Fußballprofis vertraut: „Vorsicht bei der Verwendung von Playstation anderer Personen.“
Kommt ein Spieler nach positivem Test in häusliche Quarantäne (oder liegt sein Testergebnis noch nicht vor), schreibt ihm die DFL sogar vor, wie er die Kleidung zu waschen hat: „Mit Wasser und Seife bzw. in der Waschmaschine bei 60 – 90˚C mit einem pulverförmigen Voll-Waschmittel und Trocknung, möglichst im Wäschetrockner.“ Da wird keine Rücksicht genommen auf Feinwäsche (30 Grad, Spezialwaschmittel, Pflegehinweis; nicht schleudern und trocknen), manches wird schrumpfen, nicht mehr passen.
Dass die Spieler grundsätzlich bis Saisonende im Hotel wohnen, sieht das Hygienekonzept übrigens nicht vor. Sie können nach Ablauf der ersten Woche auch wieder Zeit mit der Familie verbringen. Allerdings ist erwünscht, dass dieses private Umfeld sich „freiwilligen PCR-Testungen unterzieht – einmal zu Beginn und einmal nach etwa der Hälfte der verbleibenden Spielzeit.“ Lehnen die Familienmitglieder dies ab, müssen sie „jeden Kontakt mit der Außenwelt schriftlich dokumentieren“. Möglich auch, dass der Spieler dann in eine „vom Verein bereitgestellte Unterkunft“ wechseln muss.
Was der Profi definitiv nicht tun darf: Öffentliche Verkehrsmittel benutzen, einkaufen gehen. Der Wortlaut aus dem DFL-Konzept: „Unbedingt notwendige Einkäufe sind auf ein Minimum zu beschränken und sind von anderen Personen im Haushalt (nicht vom Spieler) durchzuführen.“
Die eh nicht mehr zeitgemäße Frage, was er denn am Montag nach dem Spiel beim Bäcker zu hören bekommen habe, kann ein Spieler also nicht mehr beantworten. Es stellt sie auch keiner mehr. Die Zahl der Berichterstatter um ein Spiel herum wird drastisch reduziert. Kontakt zu den Spielern dürfen nur TV-Vertreter aufnehmen. Übers Plexiglas. GÜNTER KLEIN