Ärger um den Notfallplan

Endspurt ohne „Restprogramm“

von Redaktion

HANNA RAIF

Ein paar Floskeln darf man ab jetzt wieder verwenden, wo ja in zwei Tagen der Ball wieder rollt. Zur Erinnerung also: Niemand schaut auf die Tabelle, weil die ja nur „eine Momentaufnahme“ ist. Generell denken Spieler „von Spiel zu Spiel“. Und überhaupt geht ja neun Runden vor Ende der Saison auch schon der Blick auf das sogenannte „Restprogramm“. Wer am Ende noch gegen die Bayern spielt, ist meist arm dran. Wer es hingegen mit vermeintlich leichten Gegnern zu tun hat, kalkuliert mit Punkten. So ist es jedes Jahr. Nur: Weil heuer sowieso alles anders ist, werden auch die üblichen Mechanismen der Branche ad absurdum geführt.

Die letzte Mitgliederversammlung der DFL vor dem Neustart steht heute an, weil aber gestern schon bekannt wurde, welche letzten Weichen gestellt werden sollen, kam es schon vorab zum großen Knall. Der Notfallplan nämlich sieht einige Satzungsänderungen vor. Da geht es beispielsweise um die Frage, ob für den Rest der Saison fünf Auswechslungen erlaubt sein sollen. Oder darum, ob Heimspiele auch in fremden Stadien ausgetragen werden dürfen. Auch ein Ende erst nach dem anvisierten Termin Ende Juni soll in den Statuten fixiert werden. All das aber sind im Vergleich zum größten Punkt nur Randnotizen. Zwei Absteiger sowie einen Meister soll es nämlich in jedem Falle geben. Auch bei Saisonabbruch. Dann zählt die Tabelle. Die Momentaufnahme. Der „Stand jetzt“. Das wollen nicht alle Clubs schlucken.

Acht sind dagegen, zehn sind dafür, die Entscheidung wurde vertagt. Sie wird nun nicht mehr erfolgen, bevor die Liga startet, aber kommende Woche genauso brisant sein. Beispiele gibt es aus Frankreich, wo Paris bei Abbruch Meister wurde. Oder aus Holland, wo die Saison einfach nicht gewertet wurde. Beides nicht schön, beides gilt es zu vermeiden. Nur muss jedem bewusst sein, dass die Bundesliga ab dem Wochenende auf Bewährung spielt – und ein Abbruch nicht utopisch ist.

Vor allem für die Kellerkinder wäre die Regel fatal, der Rest der Saison würde zu einer einzigen Zitterpartie. Denn selbst wenn ein Spieltag beendet wurde, selbst wenn man Punkte gegen den Abstieg gesammelt hat, könnte jeder positive Corona-Test – egal in welchem Team – das eigene Schicksal beeinflussen. Wer unten steht, hätte dann verloren. Ein „Restprogramm“ gäbe es nur auf dem Papier. Und auch wenn es keiner will: Der „Grüne Tisch“ könnte neu im Sprachgebrauch werden.

Hanna.Raif@ovb.net

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